KI-basierte Nachweisprüfung für die öffentliche Beschaffung
Beschreibung
FEMNET e.V. ist eine feministische Arbeitsrechtsrechtsorganisation, die sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie einsetzt. Dafür engagiert sich der gemeinnützige Verein mit Kampagnen, Bildungsarbeit, Beratungsangeboten sowie direkter Unterstützung für Frauen und Partnerorganisationen in den Produktionsländern.
Problembeschreibung
Die Prüfung von Nachweisen in Ausschreibungen erfolgt bislang manuell, zeitaufwändig und ohne Standardisierung. Ausschreibungen und Angebotsunterlagen variieren von einer Stelle zur anderen. Immer mehr Kommunen wollen nachhaltig beschaffen, doch durch ökologische und soziale Kriterien steigt auch der Prüfaufwand. Viele Beschaffungsstellen, insbesondere kleinere Einheiten, sind zudem durch die Vielfalt möglicher Nachweise (z.B. Produktzertifizierungen, Mitgliedsinitiativen, Auditberichte und viele mehr) für verschiedene Produktgruppen (z. B. Textilien, Lebensmitteln, IT-Produkten u.a.) fachlich überfordert. Diese Hürde verhindert oft die Integration ambitionierter Nachhaltigkeitskriterien.
Die Challenge basiert auf den praktischen Erfahrungen aus der Begleitung kommunaler Vergaben für nachhaltige Textilien. Gemeinsam mit Kommunen wurde der Bedarf für ein skalierbares, digitales Tool identifiziert, das öffentliche Beschaffungsstellen bei der Nachweisprüfung unterstützt und Vergabeprozesse vereinfacht. Kommunen wie Karlsruhe und Hamburg haben die Idee mitentwickelt und würden eine entsprechende Anwendung perspektivisch nutzen. FEMNET bringt seine langjährige Erfahrung in der Begleitung kommunaler Vergaben und nachhaltiger öffentlicher Beschaffung in die Ausgestaltung der Challenge ein.
Kernaufgaben des Tools
Dokumentenabgleich: Die KI muss unterschiedliche Dateiformate (PDFs, Tabellen, Textdokumente sowie Bilder und Siegel-Logos) verarbeiten können. Dabei werden die „Quelldaten“ (Vorgaben der Ausschreibung und Angaben von Bieter*innen) mit den „Prüfdaten“ (z.B. Textangaben und Bilder in Dokumenten vom Unternehmen) abgeglichen.
Fokus Nachhaltigkeit: Das Tool soll den Prüfungsprozess beschleunigen und gleichzeitig als niedrigschwelliges Weiterbildungsinstrument dienen, indem es Informationen korrekt einordnet und Anleitungen zur Prüfung bietet.
Validitätsprüfung: Es ist zu prüfen, ob der Nachweis korrekt, produktbezogen und noch gültig ist. Bei Unklarheiten muss das System zuverlässig an den Menschen zurückgeben und ggf. Hinweise liefern, welche Informationen fehlen oder unklar sind.
Unterstützung bei der Gleichwertigkeit: Wenn Unternehmen alternative Nachweise oder Siegel einreichen, soll das Tool Orientierung bieten (z. B. durch Vergleich von Standards oder Verweise auf staatliche Plattformen). Die finale Entscheidung über die Gleichwertigkeit bleibt jedoch beim Menschen.
Unterstützung bei Nachforderungen: Das Tool soll dabei helfen, rechtssichere Nachforderungen an Bieter zu formulieren, indem es vergaberechtlich relevante Quellen aufzeigt und basierend auf der Prüfung die notwendigen Informationen für ein Anschreiben zusammenstellt.
Voraussetzungen für das Tool
Einfacher Zugang: Intuitive Bedienbarkeit und sicherer Login.
Datensicherheit: Höchste Standards beim Schutz sensibler Angebotsunterlagen (Datenschutzkonformität).
Verifizierte Quellen: Zugriff auf gesicherte Schnittstellen zu ausgewählten Plattformen zur Überprüfung von Siegeln und Standards.
Verlässlichkeit: Keine Halluzinationen; bei Uneindeutigkeit muss das Tool die manuelle Prüfung durch den/die menschliche(n) Nutzer*in anfordern.
Transparente Dokumentation: Eine lückenlose, mit Quellnachweisen belegte Dokumentation der KI-Prüfung zur Ablage in den Vergabeunterlagen.
Lösungskonzept:
Welche Ideen haben Sie für ein Online-Tool, das den Zeitaufwand für die Nachweisprüfung reduziert und konkrete Hilfestellungen bei der Validierung von Nachhaltigkeitsnachweisen bietet?
Gibt es neben einem KI-basierten Ansatz weitere geeignete Lösungsansätze?
Sicherer Umgang mit Angebotsunterlagen:
Wie kann ein sicherer und datenschutzkonformer Umgang mit sensiblen Angebotsunterlagen sichergestellt werden?
Eine Login-Möglichkeit über die Host-Plattform wird als gegeben vorausgesetzt.
Nutzerfreundlichkeit und Interface/Ergebnisdarstellung:
Wie gestalten Sie das Tool und seine Benutzeroberfläche möglichst nutzerfreundlich und intuitiv?
Wie werden Prüfergebnisse, notwendige manuelle Prüfungen und Handlungsempfehlungen verständlich und übersichtlich dargestellt, ohne die Nutzenden mit Informationen zu überlasten?
Entsteht durch eine barrierearme Umsetzung zusätzlicher Aufwand oder verändert sich dadurch lediglich die Art der Umsetzung?
KI-Technologie:
Welche KI-Technologien oder -Anwendungen empfehlen Sie für diesen Anwendungsfall?
Wie zuverlässig können Nachhaltigkeitsnachweise erkannt und bewertet werden, unter welchen Voraussetzungen funktioniert dies und welche Grenzen bestehen?
Technische Umsetzung:
Welche technischen Voraussetzungen und Schnittstellen sind erforderlich, um eine Kompatibilität mit relevanten Quellen, Webseiten oder Plattformen sicherzustellen und den Aufwand für spätere Anpassungen (z.B. Einbindung neuer Plattformen) gering zu halten?
Wo bestehen technische Gestaltungsspielräume?
Betrieb und Aufwand:
Welcher Aufwand entsteht für Entwicklung, Betrieb und Wartung des Tools?
Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Ressourcen- und Betriebsaufwand langfristig zu reduzieren?
Welche Hosting-Variante empfehlen Sie für den Betrieb des Tools (z. B. lokal oder bei einem Drittanbietenden) und warum?
Ressourcenverbrauch:
Wie kann das Tool möglichst ressourceneffizient betrieben und genutzt werden?
Wir laden Sie ein, uns folgende Inhalte zu präsentieren:
Kurzkonzepte: Realistisch umsetzbare Ansätze zur Festlegung der technischen Rahmenbedingungen sowie eine Schätzung des Zeitaufwands (Gesamtprojekt und einzelne Funktionen).
Unternehmensvorstellung: Falls Sie an einer späteren Umsetzung interessiert sind, stellen Sie sich bitte kurz vor. Besonders relevant für uns sind dabei Erfahrungen mit Kooperationen mit öffentlichen Auftraggeber*innen sowie mit datenschutzsensiblen Projekten vergleichbarer Art. Darüber hinaus freuen wir uns über Informationen dazu, wie Ihr Unternehmen Aspekte nachhaltiger Entwicklung im eigenen Geschäftsbetrieb berücksichtigt (z. B. im Hinblick auf Energieeffizienz, nachhaltige Beschaffung, Umweltmanagement oder Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit).
Die Konzeption des beschriebenen Tools erfolgt in Zusammenarbeit mit Kommunen wie Karlsruhe und Hamburg und richtet sich an die Anwendung in der öffentlichen Beschaffung. FEMNET begleitet als gemeinnütziger Verein seit 2015 Kommunen bei der Umsetzung von Vergaben für sozial und ökologisch produzierte Textilien und bringt diese Praxiserfahrung in die Entwicklung des Konzepts ein. Die Projekte von FEMNET werden aus öffentlichen Fördermitteln finanziert. Daher ist eine frühzeitige Planung der erforderlichen Projektbausteine und Ressourcen notwendig. Diese Challenge soll dazu beitragen, die Machbarkeit und mögliche Umsetzungsansätze zu bewerten.
Haben Sie Ideen für die Umsetzung und/oder kommen Sie selbst für die Umsetzung eines solchen Tools in Frage? Bitte teilen Sie Ihr Wissen mit uns. Wir erwarten keine fertigen Konzepte, sondern möglichst konkrete Hinweise dazu, was bei der Planung zu beachten ist und welchen Aufwand die Umsetzung und Bereitstellung des Tools verursacht.
Diese Challenge dient der Markterkundung und der Vorbereitung einer möglichen Umsetzung und stellt keinen Vergabeprozess dar. Idealerweise schließt sich an die Machbarkeitsstudie ab 2027 eine praktische Umsetzung an. Eine spätere Umsetzung hängt insbesondere von einer möglichen Projektfinanzierung ab, die mit dieser Challenge vorbereitet werden soll.
Mit Ihrem Beitrag im Rahmen dieser Markterkundung unterstützen Sie den Konzeptionsprozess und zeigen zugleich Ihre Expertise für eine mögliche spätere Zusammenarbeit. Alle Teilnehmenden werden über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informiert.
Sie sind die Expert*innen – wir freuen uns auf Ihre Ideen!
Noch nicht veröffentlicht
Aufruf zum Einreichen von Lösungsvorschlägen
06.07.2026 - 16.08.2026
1 Monat 11 Tage verbleibend
Prüfung der Lösungen
17.08.2026 - 06.09.2026
Bewertung der Lösungen durch die Fachjury
07.09.2026 - 04.10.2026
Bekanntgabe des Gewinners
Ab 05.10.2026


