Tiny Forests - Miniwälder
Ich bin Isabell Steiner, Projektleiterin bei der KARUNA Sozialgenossenschaft eG, einer gemeinnützigen Berliner Genossenschaft, die sich für sozial-ökologische Transformation einsetzt. Unter dem Dach von KARUNA habe ich das Projekt „Tiny Forests – Miniwälder für Berlin“ initiiert, das ich seit 2024 konzipiere, leite und kontinuierlich weiterentwickle.
Mit „Tiny Forests“ bringen wir ökologische Resilienz in urbane Räume – nach dem Miyawaki-Prinzip, klimaresilient, biodivers, gemeinwohlorientiert. In enger Kooperation mit den Forstwissenschaftlern von MIYA Forest e.V., der finanziellen Unterstützung durch Amazon (Right Now Climate Fund), Bezirksämtern, Wohnungsbaugesellschaften und zivilgesellschaftlichen Partnern, setzen wir hochverdichtete Waldinseln mitten in der Stadt um. Unser Ziel: stadtökologische Wirkung, Umweltbildung, gemeinschaftliches Engagement und langfristige Pflegekonzepte mit lokalen Partnern.
Was uns auszeichnet, ist nicht nur die fachlich fundierte ökologische Umsetzung, sondern vor allem der intensive Beteiligungsprozess – mit Bürger*innen, Schüler*innen, Unternehmen, Freiwilligen und öffentlichen Trägern. Wir organisieren regelmäßig große Pflanztage, bei denen bis zu 100 Menschen gemeinsam pflanzen. Gleichzeitig setzen wir gezielt auf niedrigschwellige Umweltbildung, etwa in Form von Workshops, Schulkooperationen und begleitender Kommunikation über soziale Medien.
Seit Projektstart haben wir 5 Tiny Forests in Berlin realisiert, darunter auch eine erste Modellfläche auf öffentlichem Grundstück. In dieser Pionierphase mussten nicht nur konzeptionelle, sondern auch rechtliche, kommunikative und verwaltungstechnische Herausforderungen gelöst werden – mit Kreativität, Ausdauer und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Ich selbst bringe neben meiner beruflichen Erfahrung in Projektarbeit, Kommunikation und politischer Vernetzung auch ein hohes Maß an persönlichem Engagement und Beharrlichkeit mit. Das Projekt steht exemplarisch für lösungsorientierte Stadtentwicklung, in der ökologische Innovation mit sozialem Anspruch verbunden wird.
KARUNA ist kein klassisches Unternehmen, sondern eine gemeinwohlorientierte Akteurin aus der Zukunft denkend und mit Wurzeln in der Straßensozialarbeit. Genau dieser Hintergrund macht uns zu glaubwürdigen und handlungsstarken Partnern in der ökologischen Transformation – mit einem tiefen Verständnis für die sozialen Realitäten der Stadt und dem Anspruch, niemanden auszuschließen.
Tiny Forests – Miniwälder ist ein skalierbares Stadtbegrünungskonzept, das sozial, ökologisch und städtebaulich wirksam ist. Es verbindet die klimaresiliente Bepflanzung von verdichteten Stadträumen mit gemeinschaftlichem Engagement und Bildungsarbeit – auf kleinster Fläche und mit großer Wirkung im Sinne einer Schwammstadt.
Die Grundidee: Nach dem von Prof. Akira Miyawaki entwickelten Prinzip pflanzen wir hochdichte, biodivers zusammengesetzte Miniwälder, die bereits nach 10 Jahren Eigenschaften eines 100jährigen Waldes aufweisen. Auf 100 bis 400 Quadratmetern entsteht ein klimanagepasstes autarkes Waldökosystem – durchdacht zusammengesetzt, wissenschaftlich fundiert, gemeinschaftlich umgesetzt.
Unsere konkreten Ziele:
Klimaresilienz stärken: Tiny Forests wirken wie natürliche Klimaanlagen – sie kühlen, binden CO₂, puffern Starkregen und bieten wertvollen Schatten in überhitzten Quartieren.
Biodiversität fördern: Mit mind. 600 heimischen Pflanzen pro Fläche schaffen wir strukturreiche Lebensräume für (bedrohte) Insekten, Vögel und Kleintiere inmitten der Stadt.
Flächen aktivieren: Brache wird lebendiger Begegnungsort. Durch partizipative Pflanzaktionen und begleitende Workshops werden auch schwer zugängliche Orte zu aktiven Lern- und Lebensräumen.
Gemeinschaft stärken: Die Pflanzungen werden mit Freiwilligen, Schulen, Kitas, Nachbarschaften und Unternehmen umgesetzt – das stärkt Zusammenhalt und Umweltbewusstsein.
Langfristige Pflege und Beforschung sichern: Wir arbeiten mit lokalen Trägern (z. B. Schulen) zusammen, die die Flächen auch über Jahre hinweg betreuen – eine Pflege ist nach der Etablierungsphase von 2 Jahren nicht nötig, der Miniwald wird jedoch regelmäßig mit Citizen Science Aktivitäten beforscht um eine Datengrundlage für seinen Erfolg zu sammeln.
Entwicklungsstand und Skalierung:
Seit dem Projektstart 2024 haben wir gemeinsam mit MIYA Forest e. V. und gefördert durch den Right Now Climate Fund (Amazon) sowie weitere Partner*innen bereits 5 Tiny Forests in Berlin umgesetzt. Die Flächen liegen in sozial-ökologisch besonders sensiblen Quartieren, in enger Zusammenarbeit mit Bezirksämtern, Wohnungsbaugesellschaften und Stadtteilinitiativen.
Die nächste Entwicklungsstufe ist die Verankerung des Tiny-Forest-Ansatzes im öffentlichen Raum – als konkretes, leicht verständliches Umsetzungsmodell des neuen "BäumePlus-Gesetzes" im Sinne der dort beschriebenen "Miniparks". Ziel ist eine Verstetigung über die Projektlaufzeit bis Ende 2026 hinaus.
Was uns von anderen Stadtbegrünungskonzepten unterscheidet:
Intensive Biodiversität auf kleinster Fläche: Durch das wissenschaftlich fundierte Pflanzkonzept entstehen in kürzester Zeit resiliente Mini-Ökosysteme die keinerlei Pflege benötigen – kein Hochbeet, kein Park.
Gemeinschaftliche Umsetzung statt Beauftragung: Jede Fläche wird in einem gemeinsamen Pflanztag mit bis zu 100 Freiwilligen angelegt – ökologisch und emotional einprägsam, bottom-up und top-down.
Langfristige Entlastung und Verantwortung: Die Flächen sind so konzipiert, dass sie sich innerhalb von zwei bis drei Jahren selbst regulieren – ganz ohne regelmäßige Betreuung durch die Bezirke.
Bildung und Aktivierung: Die Tiny Forests sind Orte des Lernens und Erlebens – viele Schulen besuchen die Flächen regelmäßig, führen Projekte oder Citizen Science Monitoring durch (Kooperation mit Earthwatch Europe).
Nachhaltige Partnerschaften: Wir verbinden zivilgesellschaftliche Akteur*innen mit Unternehmen, Politik und Verwaltung – auf Augenhöhe und mit gemeinsamer Verantwortung.
Umsetzung im Reallabor:
Wir sehen im Reallabor die Möglichkeit, eine weitere Fläche modellhaft zu entwickeln, etwa in einem Quartier mit besonderem sozial-ökologischen Handlungsbedarf. Idealerweise entsteht hier ein Tiny Forest, der gemeinsam mit lokalen Unternehmen, Bildungs- oder Sozialträgern umgesetzt und evaluiert wird. Denkbar sind begleitende Formate wie:
Workshops zu Biodiversität, Boden, Klimafolgenanpassung
Schulprojekte, Monitoringaktionen, Umweltbildung vor Ort
Evaluation der Klima- und Kühlwirkung (z. B. durch Temperatursensoren, Feuchtigkeitsmessung) in Kooperation mit Anbietern technischer Lösungen
Nutzung als Erholungsort, grüner Lernraum, Begegnungsfläche
Neuartigkeit der Lösung:
Tiny Forests bringen wissenschaftlich fundierte Ökologie, einfache Umsetzung und soziale Beteiligung zusammen – auf engstem Raum in Kooperation mit Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und politischem Rückhalt. Miteinander statt gegeneinander.
Das Tiny-Forest-Konzept ist kein Prototyp mehr – es ist in der Phase skalierter Umsetzung und hat großes Reallabor-Potenzial, um Verwaltungsprozesse, Pflegekonzepte und Wirkungsmodelle weiterzuentwickeln. Der Ansatz ist offen für Co-Creation jeglicher Art mit anderen impactorientierten Unternehmen oder Lösungsansätzen.
Wirkung der Lösung
Tiny Forests sind mehr als Begrünung – sie sind lebendige, partizipative Infrastrukturprojekte mit dreifacher Wirkung: ökologisch, sozial und ökonomisch. In einer zunehmend dichten und versiegelten Stadt wie Berlin schaffen sie neue Räume, neue Angebote und neue Allianzen – direkt im Quartier, gemeinsam mit den Menschen vor Ort.
Ökologische Wirkung: Klimaresilienz und Biodiversität auf kleinster Fläche
Ein Tiny Forest ist ein hochdicht bepflanztes Waldökosystem mit über 25 heimischen und klimaangepassten Arten in Symbiose – angelegt auf 100 bis 400 m², auf innerstädtischen Brachflächen, Randzonen oder Zwischenräumen. Die Methode basiert auf dem Miyawaki-Prinzip und wurde u. a. durch MIYA Forest e. V. in ganz Deutschland etabliert. In nur drei Jahren entwickelt sich ein stabiles, resilientes Ökosystem – ohne künstliche Bewässerung oder intensive Pflege.
Ökologische Effekte:
höhere Biodiversität als herkömmliche Stadtgrünflächen und schnelleres Baumwachstum
CO₂-Bindung und Speicherung durch dichte Wurzelmasse und rasches Wachstum
spürbare Abkühlungseffekte (6 C°) durch Verdunstung und Beschattung
Starkregenpuffer: Tiny Forests nehmen Wasser auf wie ein Schwamm (6x stärkere Infiltration)
Luftfiltration: signifikante Reduzierung von Feinstaub im Umkreis von 30m
Damit werden Tiny Forests zu natürlichen Klimaanlagen, Lernorten der Artenvielfalt und Rückzugsräumen für Tiere und Menschen – mitten in der Stadt.
Soziale Wirkung: Gemeinschaft, Bildung und Teilhabe
Das Besondere an unserer Umsetzung: Jeder Tiny Forest wird gemeinsam mit Anwohner*innen, Schulen, Freiwilligen und Partnern gepflanzt. Die Fläche wird nicht „vergeben“, sondern kollektiv aktiviert. Der Pflanztag wird zum identitätsstiftenden Erlebnis. Das schafft emotionale Bindung, Selbstwirksamkeit, Zuversicht, stärkt soziale Netze und aktiviert Menschen, die sich zuvor wenig eingebracht haben.
Soziale Effekte:
Gemeinschaftliche Pflanzaktionen mit 50–120 Freiwilligen pro Standort
Workshops, Schulprojekte, Monitoring-Formate mit Kindern, Jugendlichen und Nachbarschaften
Langfristige Trägerschaften durch lokale Initiativen (z. B. Gärten, Schulen, Quartiersinitiativen)
Zugänglichkeit für alle Generationen – kostenlos, niedrigschwellig, analog
Viele der Tiny Forests entstehen bewusst in strukturell benachteiligten Quartieren: Dort, wo wenig Grün, wenig Rückzugsräume und wenig soziale Infrastruktur vorhanden ist. Die Wälder schaffen hier neue Orte für Bildung, Begegnung, Erholung und Sinnstiftung.
Ökonomische Wirkung: Flächennutzung, Pflegekosten, Unternehmensengagement
Tiny Forests sind kosteneffizient: Nach der Pflanzung benötigen sie keine Pflege im herkömmlichen Sinn – kein Gießen, kein Rückschnitt, keine Beauftragung durch den Grünflächenbetrieb. Damit können auch Flächen aktiviert werden, die sonst nicht als pflegbar gelten. Für die öffentliche Hand bedeutet das: Aufwertung ohne zusätzliche Betriebskosten. Dazu sind sie deutlich günstiger als die Pflanzung einzelner Stadtbäume, die durch aktuelle Klimaschäden regelmäßig ersetzt werden müssen.
Ökonomische Effekte:
Geringe Langzeitkosten durch selbstregulierendes Ökosystem
Aufwertung von Problemflächen – visuell, klimatisch, sozial
CSR-Potenzial für Unternehmen: Sponsoring, Mitarbeitereinsätze, Co-Branding
Kollaborative Trägerschaftsmodelle mit zivilgesellschaftlichen Partnern (Pflege über Pachtmodelle, z. B. Bürgergärten, Vereine)
Fläche erhält durch Datensammlung (CO2-Speicherung etc.) ökonomischen Wert, der in Form von Nachhaltigkeitsreports "verrechnet" werden kann
Unternehmen wie Amazon engagieren sich im Rahmen des Right Now Climate Fund aktiv als Förderer – nicht nur finanziell, sondern auch mit Volunteers, Kommunikationsressourcen und langfristiger Partnerschaft. Dadurch entsteht ein Modell, das gemeinsam mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft skalierbar ist – jedes Tiny Forest ist ein kleines Public-Private-People Partnership-Modell.
Gestaltung des Raums und Interaktion
Tiny Forests sind bewusst begehbar und erfahrbar: Trampelpfade, Lernschilder, kleine Ruheflächen oder Sitzgelegenheiten laden dazu ein, den Ort aktiv zu betreten und zu erleben. Gleichzeitig bleibt der Wald weitgehend sich selbst überlassen – die Erfahrung von „Wildnis mitten in der Stadt“ ist für viele Besucher*innen ungewohnt und faszinierend und soll die "Sehgewohnheiten" von sinnvoller zukunftsweisender Stadtnatur ändern.
Durch die dichte Pflanzung und das Konzept der natürlichen Sukzession entsteht eine ästhetische Gegenwelt zur durchgeplanten Stadtlandschaft mit teils wenig ökologischem Nutzen. Jeder Wald sieht anders aus – und wird als eigenständiger Ort wahrgenommen. Dies führt dazu, dass sich Menschen damit identifizieren – „ihr“ Wald, „ihr“ Pflanztag, „ihr“ Beitrag zum Klimaschutz.
Für die Umsetzung und Skalierung unserer Tiny Forest Lösung stehen uns aktuell verschiedene Ressourcen und Partnerschaften zur Verfügung, die sich bereits in der Praxis bewährt haben:
Fördermittel: Über den „Right Now Climate Fund“ von Amazon besteht eine Förderung über 1mio € die den gesamten Förderbedarf des Projekts abdeckt. Sie sind nicht nur Geldgeber sondern durch ihr Volunteering-Programm auch Projektpartner und entsenden an Pflanztagen Mitarbeitende zum Mithelfen. Sie haben jedoch im operativen Geschäft kein Mitspracherecht.
Projektpartner: Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit MIYA Forest e. V., die als erfahrene Pflanzpartner das ökologische Know-how und die Umsetzungskapazität mitbringen. KARUNA eG übernimmt das Gesamtprojektmanagement, Stakeholdermanagement sowie Kommunikation und Beteiligungsprozesse.
Personalressourcen: Im Rahmen des Projekts sind feste Personalressourcen bei KARUNA und MIYA e. V. vorhanden – insbesondere für Projektkoordination, Flächenakquise, Monitoring und Community Engagement.
Finanzierungsoptionen für neue Standorte: Für neue Tiny Forests – etwa im Rahmen eines Reallabors – können Mittel aus dem bestehenden Förderrahmen verwendet werden oder durch gezielte Kooperationen (z. B. Stiftungen, Bezirke, Unternehmen) ergänzt werden.
Realisierungsrahmen: Die durchschnittliche Vorlaufzeit für die Planung und Genehmigung eines Tiny Forests liegt derzeit bei etwa 4 bis 6 Monaten, abhängig von den lokalen Rahmenbedingungen. Die Umsetzung (Bodenvorbereitung, Pflanzung, Beteiligung) kann anschließend innerhalb weniger Wochen erfolgen.
Skalierbarkeit: Durch die bereits bestehende Struktur mit Partnern, Vorlagen, Kommunikationsmaterialien, Vertragsmodellen und Tools ist die Lösung kurzfristig auf neue Standorte übertragbar. Auch eine Umsetzung innerhalb eines Reallabors ist realistisch und organisatorisch gut planbar.
Auswahl möglicher Flächen für die Umsetzung
Für die Umsetzung eines Tiny Forests im Rahmen des Reallabors suchen wir eine möglichst unversiegelte Grünfläche innerhalb der Flächenkulisse. Idealerweise handelt es sich dabei um eine bereits vorhandene, öffentlich zugängliche Freifläche, die nicht von großen Bäumen bestanden ist.
Ein Tiny Forest nach dem Miyawaki-Prinzip benötigt möglichst offenen Boden und ausreichend Sonnenlicht – daher ist es wichtig, dass keine tiefwurzelnden Großbäume oder ausgedehnte Strauchbestände vorhanden sind. Zudem führen wir vor der Pflanzung eine Leitungsabfrage durch, da keine aktiven Leitungen im Boden liegen dürfen, um Schäden zu vermeiden und den langfristigen Bestand zu sichern.
Diese Voraussetzungen stellen sicher, dass die Fläche sich für eine dichte Bepflanzung mit heimischen Baumarten eignet und sich das typische Mikroklima eines Tiny Forests ausbilden kann. Gleichzeitig ermöglicht ein frei zugänglicher Standort die Nutzung durch Anwohner*innen, Kitas oder Schulen sowie eine langfristige soziale Einbindung und Umweltbildung.
Daraus ergibt sich idealerweise die Grünfläche an der Ecke Fasanenstraße/ Hardenbergstraße.


