GemeinschaftsAcker Fasanenstraße – Urbane Ernährung gemeinsam und generationsübergreifend gestalten
Acker e. V. ist ein gemeinnütziges Sozialunternehmen, das seit 2014 bundesweit Bildungsprogramme an der Schnittstelle von Ernährung, Landwirtschaft und Umweltbildung entwickelt und umsetzt. Mit einem interdisziplinären Team aus Pädagogik, Agrarwissenschaft, Umweltbildung und Organisationsentwicklung verfolgt Acker das Ziel, Menschen jeden Alters praxisnah an die Herkunft von Lebensmitteln heranzuführen und Kompetenzen für ein nachhaltiges Ernährungssystem zu fördern.
Die etablierten Programme GemüseAckerdemie (für Schulen) und AckerRacker (für Kitas) verbinden Bildungsinhalte mit praktischen Anbauaktivitäten auf echten Äckern. Kinder und Jugendliche erleben natürliche Wachstumsprozesse, lernen ökologische Zusammenhänge kennen und entwickeln ein stärkeres Bewusstsein für gesunde Ernährung. Ergänzend dazu betreibt Acker GemeinschaftsÄcker im urbanen Raum, die als niedrigschwellige Lern-, Begegnungs- und Beteiligungsorte dienen. Hier ackern Familien, Nachbarschaften und unterschiedliche Generationen gemeinsam und stärken lokale Ernährungskompetenzen sowie Gemeinschaftsstrukturen.
Acker e. V. arbeitet wissenschaftlich fundiert, evaluiert seine Programme regelmäßig und kooperiert mit Hochschulen und Forschungspartnern. Die Organisation beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und über 450 Honorarkräfte, unterstützt durch ein Netzwerk von Ehrenamtlichen. Für seine Bildungsarbeit wurde Acker mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Deutschen UNESCO-Kommission.
Acker ist kein Startup, sondern ein etabliertes Sozialunternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Umsetzung partizipativer, praxisnaher Bildungs- und Gemeinschaftsprojekte. Die Organisation verfügt über umfangreiche Expertise in Planung, Aufbau und langfristiger Betreuung von Lernorten im Stadtraum sowie in der Begleitung kommunaler Akteur:innen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlicher Gruppen.
Mit dieser fachlichen Basis bringt Acker e. V. umfassende Erfahrung, methodische Standards und operative Kompetenz in das Projekt ein – insbesondere in der Entwicklung urbaner Lernorte für nachhaltige Ernährungssysteme.
Der GemeinschaftsAcker Fasanenstraße ist ein temporärer, urbaner Lern- und Begegnungsort, der gemeinschaftliches Gärtnern, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und lokale Vernetzung kombiniert. Leitidee ist es, Stadtbewohner:innen einen direkten, niedrigschwelligen Zugang zu urbaner Landwirtschaft und nachhaltigen Ernährungssystemen zu ermöglichen und gleichzeitig einen öffentlichen Raum gemeinschaftlich nutzbar zu machen. Der Acker schafft einen Ort, an dem Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergründen zusammenkommen, praktisch lernen und soziale Beziehungen aufbauen. Ziel ist es, ökologische Zusammenhänge erfahrbar zu machen, lokale Gemeinschaft zu stärken und den Stadtraum beleben.
Besonderheit und Neuartigkeit:
Der GemeinschaftsAcker verbindet praxisorientiertes Lernen, wissenschaftlich fundierte BNE-Inhalte, digitale Begleitangebote und kontinuierliche Community-Building-Formate. Im Gegensatz zu klassischen urbanen Gärten steht nicht die individuelle Parzelle im Mittelpunkt, sondern gemeinschaftliches Ackern in einem gemeinsamen Feld – kombiniert mit Lernformaten, Workshops und sozialer Aktivierung. Damit wird der öffentliche Raum nicht nur begrünt, sondern als sozialer, ökologischer und pädagogischer Ort genutzt.
Entwicklungsstand:
Die Lösung ist erprobt: Acker e.V. hat in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg mehrere GemeinschaftsÄcker erfolgreich umgesetzt und deren Wirkung evaluiert. Der Ansatz befindet sich zugleich in einer Pilotierungsphase, in der das Konzept weiter verfeinert wird, insbesondere im Hinblick auf temporäre Installationen im öffentlichen Raum und die Schnittstelle zu digitaler Begleitung. Das Reallabor „100m Zukunft“ bietet ein ideales Umfeld, um diesen Prototypen im Zusammenspiel mit weiteren Lösungen zu testen und potenzielle Synergien zwischen Mobilität, Aufenthaltsqualität, sozialer Interaktion und Bildung sichtbar zu machen.
Umsetzung im Reallabor:
Für die Fasanenstraße wird der Acker als temporäre Installation umgesetzt, die sich flexibel in die städtische Umgebung einfügt. Die Fläche wird mit biodiversitätsfördernden Pflanzungen gestaltet und durch gemeinschaftliche Aktionen aktiviert: Pflanzungen, Pflegeeinsätze, Workshops zu Ernährung, Biodiversität oder lokaler Demokratie sowie offene Acker-Sprechstunden. Ein digitales Begleitangebot (Community-Plattform) ermöglicht Austausch, Wissenstransfer und Eigenaktivität jenseits der Ackerzeiten.
Der Ort wird so zu einem zugänglichen, identitätsstiftenden Treffpunkt, an dem Besucher:innen jederzeit interagieren können – durch Mitmachen, Zuschauen, Lernen oder den Aufenthalt im gestalteten Raum. Die Pilotierung ermöglicht außerdem, stadtgesellschaftliches Feedback kontinuierlich aufzunehmen und in die Weiterentwicklung des Modells einzubeziehen.
Einzigartigkeit:
Die Lösung bringt ökologische Bildung, gemeinschaftliche Praxis und Placemaking in einem öffentlichen Raum zusammen – niedrigschwellig, inklusiv und alltagsnah. Die Kombination aus temporärer Installation, partizipativer Gestaltung, digitaler Erweiterung und starkem Community-Fokus erzeugt eine außergewöhnliche Lern- und Begegnungsqualität. Der Acker fungiert dadurch nicht nur als Grünfläche, sondern als sozialer Katalysator und als Modell für zukünftige urbane Ernährungssysteme.
Weitere Informationen:
Projektwebsite: https://www.acker.co/gemeinschaftsacker
Projektvideos: Öffentliche Freigabe - Nextcloud - Storage Share
Der GemeinschaftsAcker Fasanenstraße erzeugt ökologische, soziale und ökonomische Wirkung im Quartier und leistet einen sichtbaren Beitrag zur Stadtgesellschaft, indem er urbane Ernährungssysteme konkret erfahrbar macht und gleichzeitig einen bislang wenig genutzten Stadtraum belebt.
Ökologische Wirkung:
Der Acker verwandelt eine temporäre Fläche in ein biodiversitätsförderndes Mikro-Ökosystem. Mischkulturen, Fruchtfolgen und strukturreiche Bepflanzungen schaffen Lebensräume für Insekten und fördern Bodenqualität und Artenvielfalt. Besucher:innen erleben ökologische Prozesse unmittelbar – vom Keimen bis zur Ernte – und entwickeln ein realistisches Verständnis für Ressourcenverbrauch, Kreisläufe und Nachhaltigkeit. Dies wirkt über den Ort hinaus, da Menschen ihr neu erworbenes Wissen in ihren Alltag übertragen.
Soziale Wirkung:
Der Acker fungiert als inklusiver Bildungs- und Begegnungsraum. Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Lebensrealitäten arbeiten gemeinsam an einer Aufgabe und schaffen dadurch Vertrauen, Teilhabe und Gemeinschaftsgefühl. Workshops, offene Sprechstunden, Ackerfrühstücke und Mitmachaktionen ermöglichen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen und sozialer Interaktion. Das gemeinsame Tun stärkt mentale Gesundheit, reduziert Isolation und fördert generationenübergreifendes Lernen.
Der Ort dient zudem als Placemaking-Impuls: Eine zuvor monofunktionale oder durchlässige Fläche wird zu einem identitätsstiftenden Treffpunkt, der Aufenthaltsqualität, sozialen Austausch und Beteiligung schafft. Workshops zu Themen wie nachhaltiger Ernährung, lokaler Demokratie oder Umweltfragen regen Diskussion und Engagement im Quartier an.
Ökonomische Wirkung:
Der Acker aktiviert lokale Netzwerke und schafft Raum für Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen, Umweltinitiativen, Kulturakteur:innen, Start-ups und sozialen Organisationen. Das Projekt setzt Impulse für neue Bildungsangebote, stärkt lokale Institutionen durch gemeinsame Nutzung und erzeugt indirekte Wertschöpfung durch Besucherfrequenz und Veranstaltungen.
Unternehmen können sich über Bildungskooperationen, Corporate-Volunteering oder thematische Events einbringen und ihr Engagement sichtbar machen. Gleichzeitig liefert der Acker Erkenntnisse für langfristige urbane Ernährungssysteme, die perspektivisch wirtschaftliche Chancen für lokale Produzent:innen, Bildungsanbieter und Kommunen bieten.
Integration in den Ort und Interaktion:
Der Acker ist offen zugänglich, klar sichtbar und lädt aktiv zur Teilnahme ein. Menschen können beim Vorbeigehen Beobachtungen machen, spontan mithelfen, an Workshops teilnehmen oder sich digital mit Informationen versorgen. Durch Möblierung, Beschilderung und offene Gestaltung entsteht ein ansprechender Lern- und Aufenthaltsraum, der das Straßenbild aufwertet und das Quartier belebt.
Modellcharakter im Reallabor:
Durch die Umsetzung im „100m Zukunft“ entsteht ein Reallabor, das zeigt, wie städtische Flächen als Bildungs- und Gemeinwohlorte funktionieren können. Die Pilotierung erlaubt es, Ansprache, Raumwirkung, Beteiligungsformate und Ökosystemeffekte unter realen Bedingungen zu testen. Die Kombination mit anderen innovativen Lösungen im Reallabor erzeugt zusätzliche Potenziale – etwa durch gemeinsame Events, Überschneidungen in Zielgruppen oder die Weiterentwicklung gemeinsamer Formate.
Gesamtwirkung:
Der GemeinschaftsAcker stärkt die lokale Gemeinschaft, schafft ökologische Mehrwerte, ermöglicht niedrigschwellige Bildung und aktiviert den öffentlichen Raum. Er macht Ernährungssysteme sichtbar, fördert nachhaltige Praktiken im Alltag und zeigt, wie Städte sozial, ökologisch und gemeinschaftsorientiert gestaltet werden können.
Für den GemeinschaftsAcker im Rahmen des IHK-Reallabors wird ein Projektzeitraum von drei Jahren (2026–2028) angesetzt. Die Umsetzung folgt einem dreistufigen Modell: Aufbauphase – Durchführungsphase – Übergabephase. Die Struktur ist darauf ausgelegt, nach drei Jahren eine stabile lokale Übernahme zu ermöglichen.
Bestehende bzw. vorgesehene Finanzierungsquellen
Die IHK-Förderung im Rahmen von „100 m Zukunft“ (bis zu 200.000 € pro Reallabor) bildet die zentrale Grundlage der Umsetzung.
Weitere Finanzierungsoptionen sind realistisch, u. a. aus Bezirksmitteln, Stiftungen, urban-grün-bezogenen Förderprogrammen oder Unternehmenspartnerschaften.
Acker e. V. bringt eigene Ressourcen ein (pädagogische Expertise, Community-Plattform, methodische Begleitung).
Mittel- bis langfristig wird ein Teil der erforderlichen Ressourcen durch lokale Akteurinnen und Akteure getragen, sobald die Verstetigung greift.
Umsetzungsrahmen (3 Jahre)
Jahr 1 – Aufbauphase
Einrichtung der Fläche (GemeinschaftsAcker, Hochbeete, Infrastruktur).
Start der Community-Aktivierung.
Durchführung der ersten Pflanzung (August 2026).
Erste Workshops und Einführung in die Acker-Methodik.
Jahr 2 – Durchführungsphase
Regelmäßige Pflanzungen, Pflegeeinsätze und Workshops.
Stärkung und Moderation der lokalen Gruppe (Ährenkreis).
Laufende fachliche Begleitung (AckerSprechstunden, Themenworkshops, saisonale Angebote).
Jahr 3 – Übergabephase
Reduktion des Supports durch Acker e. V.
Übergabe der Verantwortung an lokale Akteurinnen und Akteure (Ährenkreis) zur eigenständigen Weiterführung ab 2029.
Verstetigungs-Workshops, Dokumentation, Übergabekonzept.
Verortung
Der GemeinschaftsAcker soll auf der am Rand des Reallabors markierten Grünfläche gegenüber der TU und südlich des Kanals entstehen (siehe Bild im Anhang). Die Fläche liegt am Übergang zwischen Fußweg, Gleisbereich und Wasserraum. Sie ist derzeit ungenutzt, bietet jedoch ausreichend zusammenhängende Freifläche für einen kompakten, gut sichtbaren Prototyp.
Begründung der Standortwahl
1. Sichtbarkeit und Publikumsfrequenz
Der Standort liegt entlang der Hauptbewegungsachse zwischen Bahnhof Zoo, TU und IHK. Menschen kommen zwangsläufig daran vorbei. Dadurch eignet sich die Fläche für ein Angebot, das spontan wahrgenommen und verstanden wird – ohne zusätzliche Kommunikationsmaßnahmen.
2. Niedrige Eingangshürden
Die Fläche ist offen, nicht eingezäunt, gut zugänglich und lädt zu direkter Interaktion ein. Dadurch entsteht ein echter öffentlicher Lern- und Begegnungsraum, kein abgeschottetes Projekt.
3. Aktivierung eines nicht genutzten Grünraums
Der ausgewählte Bereich wird aktuell weder als Aufenthaltsort genutzt noch landschaftsarchitektonisch gepflegt. Die Aktivierung erzeugt daher keinen Nutzungskonflikt. Die temporäre Installation verbessert die Aufenthaltsqualität, ohne Verkehr, Wege oder bestehende Angebote zu blockieren.
4. Sinnvolle Größe für einen funktionalen Prototyp
Die markierte Fläche ist groß genug für ein klar strukturiertes, modular aufgebautes Setting mit Beetflächen, Begegnungselementen und kleinem Wissenspunkt – ohne überdimensioniert zu wirken oder den Raum zu überfrachten. Ein kompakter Prototyp ist für ein Reallabor zielführender als eine zu große, schwer zu betreibende Fläche.
5. Nähe zu relevanten Partnern und Nutzenden
TU-Studierende, Anwohnende und Beschäftigte der umliegenden Institutionen bewegen sich täglich in diesem Korridor. Die Lage ermöglicht Kooperationen und niedrigschwellige Beteiligung. Der Standort kann so als neutral zugänglicher Lern- und Begegnungsort funktionieren.
6. Hoher Test- und Beobachtungswert im Reallabor
Die Lage am Rand des IHK-Blocks und entlang der Fasanenstraße erlaubt die Untersuchung zentraler Reallaborfragen:
– Wie funktioniert gemeinschaftliche Nutzung in einem hochfrequentierten, öffentlichen Raum?
– Welche Beteiligungsformen entstehen spontan?
– Wie reagiert der Ort auf ökologische Mikrointerventionen?
– Welche Betreibermodelle funktionieren real – nicht theoretisch?
Der Standort stellt daher ein geeignetes Szenario dar, um Wirkung, Machbarkeit und Transformationspotenzial urbaner Landwirtschaft im öffentlichen Raum unter realen Bedingungen zu testen.
Fazit
Die markierte Fläche bietet als einer der wenigen wirklich nutzbaren Freiräume des Reallabors eine robuste, konfliktarme und gut frequentierte Ausgangsbasis. Sie ist groß genug für einen aussagekräftigen Prototyp, gleichzeitig klar begrenzt und leicht bespielbar. Damit erfüllt sie die funktionalen Anforderungen des Projekts und liefert belastbare Erkenntnisse für Skalierung und Verstetigung.


