
Smart Zones: Buchbare Be- und Entladezonen
Coding the Curbs ist ein europäisches Tech Startup mit Sitz in Amsterdam, das sich auf die digitale Verwaltung von Straßenraum spezialisiert hat. Wir entwickeln und betreiben sogenannte Smart Zones: Buchbare Be- und Entladezonen, die den öffentlichen Raum effizienter, sicherer und klimaverträglicher nutzbar machen.
Unser Team bringt Stadtplanung, Verkehrsplanung, urbane Logistik, Softwareentwicklung und Service Design zusammen. Die Gründer*innen und das Kernteam (teils Deutsch) verfügen über mehrjährige Erfahrung in kommunalen Innovationsprojekten, europäischen Förderprojekten sowie der Zusammenarbeit mit Städten, Logistikunternehmen und Wissenschaft. Neben dem Unternehmenssitz in den Niederlanden arbeiten wir bereits mit Kommunen und Partnern in mehreren europäischen Städten zusammen.
Wir haben bislang keine Smart Zones im deutschen Raum umsetzen können. Gerade darin liegt unser Interesse an dieser Challenge. Wir möchten unsere Erfahrungen aus acht europäischen Ländern in der deutschen Hauptstadt erproben und weiterentwickeln. Gerade durch unseren Hauptsitz in der Niederlande, sind wir mit der nordwestdeutschen kulturellen Gewohnheiten bekannt - diese haben einen großen Einfluss auf Mobilitätsverhalten im öffentlichen Raum und Einstellungen gegenüber Innovation. Unser Ziel ist es zu demonstrieren, dass digitale Buchungssysteme und datengestützte Steuerung von Ladezonen zu weniger Halten in zweiter Reihe, verlässlicheren Lieferprozessen und einer spürbaren Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Straßenraum führen. Mit dem neuen Leitfaden für Lieferflächen und der sehr geeigneten Flächen in der Fasanenstraße bietet diese Challenge den idealen Rahmen, um den deutschen Kontext systematisch zu untersuchen und unsere Lösung präzise daran anzupassen.
Was uns auszeichnet, ist die Kombination aus einer bereits einsatzfähigen digitalen Lösung und einem starken Fokus auf Co-Design mit lokalen Akteur*innen. Wir verstehen unsere Smart Zones nicht als rein technisches Produkt, sondern als Baustein für stadtverträgliche Logistik und Raumnutzung. In jedem Projekt arbeiten wir eng mit Verwaltung, Wirtschaft, Logistik, Anwohner*innen zusammen und passen die Konfiguration der Zonen an den konkreten Ort an. Das Ziel ist eine gemeinsame Verbesserung der bestehenden Flächen.
Durch unsere Erfahrungen aus verschiedenen Kontexten, unter anderem aus Projekten mit Universitäten, Innovationsprogrammen und städtischen Reallaboren, bringen wir sowohl technische Umsetzungskompetenz als auch methodische Kompetenz in Evaluation und Wirkungsmessung mit. Diese Kombination möchten wir in die 100m Challenge in Berlin einbringen, um gemeinsam mit der IHK Berlin und dem Bezirk einen übertragbaren Lösungsbaustein für eine nachhaltige Stadtlogistik und Parkraumnutzung zu entwickeln.
Leitidee
Unsere Leitidee ist einfach: Wir machen den Straßenraum verlässlich buchbar. Mit Smart Zones schaffen wir digitale Lade- und Kurzhalteflächen, die über eine webbasierte App reservierbar und zeitlich flexibel sind und gleichzeitig eine relevante Datengrundlage für Verkehrsplanung liefern. Aus statischen Stellplätzen werden dynamische Raumelemente, die sich an reale Bedarfe anpassen.
In der 100m Challenge möchten wir einen Abschnitt der Fasanenstraße zwischen Kantstraße und Hardenbergstraße als Testfeld nutzen. Die bestehenden Ladezonen werden nicht physisch verändert. Stattdessen wird durch digitale Buchung sollen Lieferungen entzerrt, der Verkehrsfluss stabilisiert und die Aufenthaltsqualität für Fuß- und Radverkehr sowie Besuchende verbessert werden.
Konkrete Ziele
Im Reallabor verfolgen wir insbesondere folgende Ziele.
• effizientere Nutzung vorhandener Flächen durch zeitlich differenzierte Funktionen etwa morgens für Lieferungen, später fürs Kurzhalten.
• Reduktion von Parken in zweiter Reihe und Blockieren der Straße.
• Verringerung von Suchverkehr und Emissionen durch planbare Anfahrts- und Haltezeiten.
• Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrende durch weniger blockierte Sichtachsen.
• Aufbau einer verlässlichen Datengrundlage als Basis für zukünftige Entscheidungen im Bezirk und in der Stadt.
Entwicklungsstand
Die Smart-Zone-Lösung ist marktreif und in mehreren europäischen Städten erprobt, stellt in Deutschland jedoch eine neue Form des digitalen Curbside-Managements dar. Die Technologie umfasst:
• eine browserbasierte Buchungsplattform für Unternehmen und Fahrende.
• IoT-Parksensoren mit Echtzeit-Datenübertragung, wetterfest, DSGVO-konform, kosteneffizient und schnell installierbar.
• ein Dashboard zur Analyse von Buchungs- und Sensordaten.
• standardisierte Elemente für Beschilderung und optional Straßenmarkierungen.
Der technologische Stack ist einsatzbereit, erfordert im deutschen Kontext aber Anpassungen. Dazu gehören Abstimmungen mit lokalen Verwaltungsstrukturen, die Integration in bestehende Kommunikationswege und die Weiterentwicklung der Beschilderung nach deutschen Normen. Die 100m Challenge bietet dafür optimale Bedingungen und ermöglicht, regulatorische und räumliche Anforderungen frühzeitig zu klären und die Lösung gemeinsam mit lokalen Akteuren an Berlin anzupassen.
Die gewonnenen Erkenntnisse können anschließend als Blaupause für weitere Berliner Bezirke und andere deutsche Städte dienen. Damit leisten wir einen Beitrag zu einer Logistik, die bislang nur begrenzt in der Stadtplanung berücksichtigt wird.
Besonderheit und Neuartigkeit
Unsere Lösung bietet drei wesentliche Neuerungen:
• Verbindliche Buchbarkeit: Reservierbare Zeitfenster schaffen Planungssicherheit und Transparenz über die tatsächliche Nutzung.
• Datenbasierte Steuerung: Anonymisierte Buchungsdaten ermöglichen dynamische Anpassungen und effizientere Flächeneinsätze.
• Multifunktionale Flächennutzung: Ein Stellplatz kann je nach Tageszeit unterschiedliche Funktionen übernehmen etwa Ladezone oder Kurzhaltebereich. Die digitale Steuerung ermöglicht diese Flexibilität.
Die Kombination aus einsatzbereiter Technologie, Praxiserfahrung und nutzerorientiertem Ansatz macht die Lösung besonders geeignet für ein urbanes Reallabor.
Umsetzung und Anwendung im Reallabor
Wir schlagen folgenden Ablauf vor:
• Standortanalyse und Co-Design: Analyse der heutigen Flächennutzung mit IHK, Bezirk, Unternehmen und Logistikdienstleistern. Definition von Lage und Zeitlogiken der Smart Zones.
• Technische Umsetzung: Konfiguration der Buchungsplattform, Einrichtung von Nutzerkonten und Vorbereitung des Onboardings.
• Physische Markierung und Kommunikation: Markierungen und Schilder vor Ort. QR-Codes verweisen auf die Buchungsoberfläche. Informationsmaterial unterstützt Unternehmen und Fahrende.
• Pilotbetrieb: Betrieb über sechs bis zwölf Monate mit Dokumentation von Buchungen und Auslastung. Feedbackschleifen ermöglichen Anpassungen.
• Auswertung und Transfer: Analyse der Daten und Rückmeldungen. Entwicklung von Empfehlungen zur verbesserten Straßenraumnutzung.
Integration in den Ort
Die Fasanenstraße ist geprägt von Gastronomie, Dienstleistungen, Büros, Einzelhandel und hohem Besucherverkehr – alles Nutzungen, die auf dieselben begrenzten Flächen angewiesen sind und bisher keine Möglichkeit hatten ihre Bedürfnisse aufeinander abzustimmen. Smart Zones fügen sich in diesen Kontext ein, indem sie ausgewählte Stellplätze digital steuerbar machen und in die täglichen Routinen von Logistikunternehmen und lokalen Betrieben integrieren. Für Unternehmen und Fahrer*innen bleibt der Ablauf klar. Slot auswählen, reservieren, anfahren, nutzen. Gleichzeitig entsteht ein strukturierter Austausch zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen, der hilft, den vorhandenen Raum gemeinsam effizienter zu organisieren.
Webseite und Referenzen
Weitere Informationen: https://codingthecurbs.com
Unsere Smart Zones adressieren ökologische, soziale und ökonomische Wirkungen zugleich. Ziel ist es, die urbane Logistik in Berlin klimaverträglicher, sicherer und effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Qualität des öffentlichen Raums zu erhöhen.
Ökologische Wirkung
Der Wirtschaftsverkehr trägt erheblich zu Emissionen und Lärmbelastung bei. Ein relevanter Teil dieser Belastung entsteht nicht nur durch die eigentliche Fahrt, sondern durch Suchverkehr, Mehrfachanfahrten und ungünstige Haltevorgänge.
Unsere Lösung wirkt ökologisch in drei Dimensionen:
Reduktion von Suchverkehr: Durch buchbare Ladezonen wissen Fahrer*innen schon vor der Anfahrt, wo sie halten können. Das reduziert Schleifen um den Block und das spontane Anhalten an ungeeigneten Stellen.
Kürzere Standzeiten: Klare Zeitfenster und definierte Nutzungsregeln tragen dazu bei, dass Fahrzeuge die Fläche effizienter nutzen und schneller wieder freigeben.
Bessere Grundlage für weitere Maßnahmen: Die erzeugten Daten helfen der Stadt, zusätzliche Maßnahmen wie Mikro Hubs, gebündelte Lieferfenster oder emissionsärmere Flotten gezielt zu planen. Smart Zones können als Baustein in einer breiteren Dekarbonisierungsstrategie des Wirtschaftsverkehrs dienen.
Soziale Wirkung und Gestaltung des Raums
Der Straßenraum in der Fasanenstraße ist nicht nur Transportinfrastruktur, sondern auch Aufenthalts- und Begegnungsraum. Heute kommt es typischerweise zu Konflikten, wenn Lieferfahrzeuge Gehwege, Radstreifen oder ganze Fahrstreifen blockieren.
Unsere Lösung trägt zu einer sozialverträglicheren Nutzung bei durch:
Mehr Sicherheit. Wenn Lieferfahrzeuge geordnet in definierten Ladezonen halten, werden Sichtbeziehungen verbessert, Querungen sicherer und Konflikte mit Radfahr*innen reduziert.
Bessere Zugänglichkeit. Gehwege bleiben frei von blockierenden Fahrzeugen. Das ist besonders wichtig für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Familien mit Kinderwagen oder ältere Menschen.
Aufenthaltsqualität und Belebung. Ein weniger chaotischer Lieferverkehr schafft mehr Ruhe im Straßenbild. In Kombination mit einem klar strukturierten Straßenraum wird der Ort für Besucher*innen des Quartiers attraktiver. Gastronomie und Einzelhandel profitieren von einem besser gestalteten Umfeld.
Ökonomische Wirkung für Unternehmen und Standort
Logistik ist ein wesentlicher Produktionsfaktor für viele Unternehmen im Quartier. Unzuverlässige Anlieferbedingungen kosten Zeit und Geld und können zu Lieferverzögerungen führen.
Smart Zones schaffen hier ökonomische Vorteile:
Planbarkeit und Zuverlässigkeit. Lieferunternehmen können Zeitfenster buchen und ihren Fahrerinnen und Fahrern klare Ziele geben. Das reduziert Stress und erhöht die Effizienz.
Weniger Verwarngelder und Risiken. Wenn definierte Ladezonen genutzt werden, sinkt das Risiko von Verstößen gegen Park- und Halteregelungen.
Unterstützung für lokale Wirtschaft. Bessere Logistikbedingungen helfen Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungsbetrieben, ihre Warenströme stabiler zu organisieren. Das stärkt die wirtschaftliche Basis des Standorts.
Für die Stadt und ihre Infrastruktur ergeben sich zusätzliche Effekte:Datenbasis für zukünftige Investitionen. Die Smart Zones liefern konkrete Kennzahlen zur Nutzung von Lade- und Kurzhalteflächen. Diese Daten können in Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanung einfließen.
Flexible Steuerung statt teurer Infrastrukturmaßnahmen. Anstatt neue bauliche Infrastruktur zu schaffen, kann bestehender Raum über digitale Regeln dynamischer genutzt werden. Das senkt Kosten und erhöht die Anpassungsfähigkeit.
Integration in den Ort und Interaktion
Die Integration in den Ort erfolgt über drei Ebenen:
Straßenraumgestaltung. Der 100 Meter Abschnitt wird durch eine digitale Ebene bestärkt, ohne dass der Charakter der Straße verändert wird.
Digitale Interaktion für die Hauptnutzergruppe. Fahrer*innen interagieren über das Abrufen der Website mit der Lösung. Die Nutzung bleibt niederschwellig, da keine spezielle Hardware im Fahrzeug oder Installations einer App erforderlich ist.
Kommunikation mit der Stadtgesellschaft. Informationstafeln oder kleine Hinweise im öffentlichen Raum können erklären, was eine Smart Zone ist, warum sie getestet wird und wie sie zur klimaneutralen Stadt beiträgt. So wird das Reallabor auch zu einem Ort der Vermittlung von Stadtinnovation.
Beitrag zur Belebung und Vielfalt des Standorts
Ein funktionierender Lieferverkehr ist Voraussetzung dafür, dass Gastronomie, Kultur, Handel und Dienstleistungen im Quartier lebendig bleiben. Gleichzeitig ist ein geordneter, sicherer und attraktiver Straßenraum zentral für die Aufenthaltsqualität. Smart Zones tragen dazu bei, diese beiden Anforderungen auszubalancieren, indem sie die tägliche Versorgung der Nutzungen sichern, Konflikte im Straßenraum reduzieren und damit Stresssituationen im Alltag minimieren sowie einen sichtbaren Innovationsbaustein schaffen, der das Quartier als Ort für städtische Experimente...
Die Smart Zone Lösung von Coding the Curbs ist bereits entwickelt und in mehreren Städten im Einsatz. Die wesentlichen Softwarekomponenten und Erfahrung mit Projektmanagement sind vorhanden und können für die Fasanenstraße konfiguriert werden. Durch die vorhandene deutsche Expertise im Team sehen wir Stakeholder-Engagement, nutzernahe Abstimmungen und kontinuierliche Rückkoppelung mit verschiedenen Zielgruppen als problemlos möglich.
Für die Umsetzung im Rahmen der 100m Challenge entstehen im Wesentlichen folgende Aufwände:
Lokale Analyse und Co-Design mit Akteur*innen vor Ort
Konfiguration der bestehenden Softwareinstanz für den Standort Berlin
Übersetzung der Plattform auf Deutsch
Anschaffung und Installation von Bodensensoren
Evtl. Gestaltung, Produktion und Montage von Beschilderung und Markierung
Kommunikation und Onboarding von Unternehmen und Logistikpartnern
Monitoring und Auswertung des Pilots
Je nach genauer Ausgestaltung des Pilots sehen wir einen realistischen Realisierungsrahmen von etwa sechs bis zwölf Monaten zwischen Projektstart im Frühjahr 2026, Einrichtung der Smart Zones, Pilotbetrieb und abschließender Auswertung.
Weitere Fördermittel oder Projektmittel, die wir derzeit in anderen Kontexten nutzen, können inhaltliche Synergien ermöglichen, sind aber für die Umsetzung im Rahmen der 100m Challenge nicht zwingend erforderlich. Die Beantwortung dieser Fragen dient ausschließlich der Einschätzung der Umsetzbarkeit. Ob ergänzende Finanzierungsoptionen genutzt werden können, hängt von der genauen Projektkonfiguration (i.e. Projektlänge und Größe der Be- und Entladezonen) und dem Abstimmungsprozess mit der IHK Berlin und dem Bezirk ab.
Wir schlagen vor, das Projekt im Kernbereich der 100m Challenge in der Fasanenstraße zwischen Kantstraße und Hardenbergstraße auf denen bestehenden Be- und Entladezonen zu verorten.
Diese Standorte bieten mehrere Chancen für unsere Lösung:
Hohe Relevanz des Wirtschaftsverkehrs. Im Umfeld des Ludwig Erhard Hauses, von Büros, Gastronomie und anderen Nutzungen besteht ein regelmäßiger Liefer und Serviceverkehr, der von besser organisierten Ladezonen profitiert.
Gute Sichtbarkeit. Als zentraler Ort mit vielen täglichen Nutzenden eignet sich die Fasanenstraße als Schaufenster für Stadtinnovationen. Smart Zones werden hier wahrgenommen und können kommunikativ gut begleitet werden.
Typische Nutzungsmischung. Die Straße ist repräsentativ für viele Berliner Geschäftsstraßen, in denen unterschiedliche Anforderungen an Logistik, Parken, Aufenthalt und Mobilität aufeinandertreffen. Die im Reallabor gewonnenen Erkenntnisse lassen sich daher gut auf andere Straßen übertragen.
Wir würden im Lageplan ein bis drei konkrete Smart Zone Standorte markieren, die sich an bestehenden Halte- und Lieferpunkten orientieren und gleichzeitig eine Verbesserung der heutigen Situation ermöglichen.


