Innovation

Häusliche Gewalt früher beenden: KI-gestützte Gefährdungsanalyse

Frontline GmbH
Beschreibung des innovativen Ansatzes

Mit Lizzy hat Frontline ein KI-gestütztes Gefährdungsanalyse-Tool im Bereich häuslicher Gewalt entwickelt, das auf aktuellen, national repräsentativen Daten aus Deutschland basiert. Mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 80 % unterstützt Lizzy das Risikomanagement bei verschiedenen Gewaltformen – darunter körperliche, sexuelle, emotionale, digitale und finanzielle Gewalt sowie bei Risiken von Kindesmissbrauch und Vernachlässigung. Lizzy wird über eine benutzerfreundliche App bereitgestellt und bereits von Beratungsstellen und Frauenhäusern in elf Bundesländern eingesetzt.

Mehrwert des Ansatzes

Häusliche Gewalt

Jede vierte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch ihren Partner. Das Bundeskriminalamt musste in 2024 zum dritten Mal in Folge einen Höchststand bei Partnerschaftsgewalt (2022: 157.550; 2023: 167.639; 2024: 171.100) feststellen. Dies entspricht einem Anstieg von 35,55 % gegenüber dem letzten Jahrzehnt (126.230 Fälle im Jahr 2014). Das sind 14.258 Fälle pro Monat oder 468 Fälle pro Tag. Jährlich kostet Partnerschaftsgewalt der deutschen Volkswirtschaft 32.5 Mrd. Euro.

Gefährdungsanalysen

Gefährdungsanalysen sind strukturierte Checklisten, die dazu dienen, die aktuelle Gewaltsituation zu bewerten und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung oder schwerer Gewalt einzuschätzen. Gefährdungsanalysen sind de facto Triage-Instrumente, die direkt den Umfang der Unterstützung für ein Opfer häuslicher Gewalt bestimmen: Ein geringes Risiko bedeutet oft nur begrenzte oder gar keine Intervention, während ein hohes Risiko strengere Schutzmaßnahmen auslöst. Die Polizei ist gemäß Art. 51 der Istanbul-Konvention und Art. 16 der EU-Gewaltschutzrichtlinie verpflichtet, bei der ersten Kontaktaufnahme mit einem Opfer häuslicher Gewalt eine Gefährdungsanalyse durchzuführen.

Risikobewertungen in Deutschland

Die Anwendung von Gefährdungsanalysen in Deutschland gleicht derzeit einem Flickenteppich. Wenn Tools genutzt werden, handelt es sich meist um ODARA (entwickelt 1996–2001 in Kanada, 58 % Genauigkeit), die Danger Assessment Scale (1986, USA, 54 % Genauigkeit) oder um selbst entwickelte Instrumente. Ein Münzwurf hat die Genauigkeit von 50 %. Eine Studie der Polizei Rheinpfalz zeigte, dass selbst mit wenig präzisen Gefährdungsanalyse-Instrumenten wie ODARA und Danger Assessment es möglich ist, die Gewaltrückfallquote in Hochrisikofällen um die Hälfte zu reduzieren. An Orten, an denen keine Instrumente genutzt werden, liefern unstrukturierte Experteneinschätzungen nur eine Trefferquote von 44 % und sind damit noch weniger zuverlässig.

Frontline verfolgt mit Lizzy einen Ansatz, der diese Lücke durch eine wissenschaftlich fundierte und präzisere Analyse schließt. Lizzy hilft den Mitarbeitern an vorderster Front, weniger offensichtliche Anzeichen von Missbrauch zu erkennen - von emotionalem bis hin zu finanziellem Missbrauch.

Vorgestellt am
10.11.2025
Vorgestellt von
Frontline
Website
Kontaktperson
Ba Linh Le
Schlagwörter
Digitalisierung
Künstliche Intelligenz
Bildung & Forschung