Innovation

Shit2Power – Dezentrale Energie aus Schlamm im Containerformat

Shit2Power GmbH
Beschreibung des innovativen Ansatzes

Shit2Power ist das weltweit erste containerisierte Kleinanlagen-Vergasungssystem, das speziell für Klärschlamm und industrielle Schlämme entwickelt wurde. Die Technologie wandelt nassen, schwer zu entsorgenden Schlamm direkt vor Ort in Strom und Hochtemperaturwärme um — ohne externen Energieeintrag und ohne Eingriffe in bestehende Betriebsabläufe.

Herkömmliche Vergasungstechnologien versagen an Klärschlamm: Hohe Feuchtigkeit, klebriges Verhalten und niedrige Ascheschmelzpunkte verursachen Teerbildung, Agglomeration und Verstopfung im Reaktor. Shit2Power überwindet diese Barrieren mit einem patentierten Reaktordesign und gezielter Temperaturführung. Die Kerntemperatur im Reaktor erreicht ca. 850 °C — ausreichend, um sämtliche organischen Bestandteile vollständig umzusetzen und laut Fachliteratur auch persistente Schadstoffe wie PFAS thermisch zu zersetzen, ohne dabei die kritische Schwelle zu überschreiten, ab der Asche schmilzt und den Prozess blockiert.

Der Reaktor ist in einen energieautarken Kreislaufprozess eingebettet: Die Abwärme aus der Stromerzeugung treibt die vorgeschaltete Trocknung an. Das System benötigt daher keine externe Energiezufuhr und läuft im Dauerbetrieb selbstständig. Eine KI-gestützte Prozesssteuerung (Digital Twin) optimiert die Betriebsparameter in Echtzeit auf Basis von Sensordaten und passt sich automatisch an wechselnde Schlammzusammensetzungen an. Dies ermöglicht einen wartungsarmen Betrieb mit Fernüberwachung.

Das Ergebnis ist ein Plug-and-Play-Containermodul, das sich über nur zwei Schnittstellen in bestehende Infrastruktur integriert: Schlamm rein, Energie raus. Der entwässerte Schlamm, der sonst kostenintensiv entsorgt werden müsste, wird nahezu vollständig umgesetzt — übrig bleibt ausschließlich inerte mineralische Asche. Die Kapazität lässt sich durch einfaches Hinzufügen standardisierter Einheiten linear skalieren, ohne zusätzlichen Planungsaufwand.

Die Technologie befindet sich auf TRL 6 (systemrelevante Validierung in relevanter Umgebung mit über 390 Betriebsstunden). Die erste kundennahe Pilotanlage wird in Q2–Q3 2026 in Betrieb genommen.

Mehrwert des Ansatzes

Kommunale Kläranlagen und öffentliche Entsorgungsbetriebe stehen vor einem wachsenden Dreifachproblem: Die Klärschlammentsorgung wird teurer, regulatorisch komplexer und logistisch aufwändiger. Seit dem Verbot der landwirtschaftlichen Ausbringung von Klärschlamm für größere Anlagen (AbfKlärV 2017/2023) sind viele Kommunen auf zentrale Mono-Verbrennungsanlagen angewiesen — mit langen Transportwegen, hohen Kosten und mehrjährigen Wartezeiten auf Kapazitäten. Kleinere und mittlere Kläranlagen haben oft keinen wirtschaftlichen Zugang zu diesen Entsorgungswegen.

Shit2Power löst dieses Problem dezentral und direkt vor Ort. Der Mehrwert für öffentliche Auftraggeber im Einzelnen:

Sofortige Kostenersparnis: Durch die Umwandlung von Klärschlamm in Strom und Wärme direkt auf dem Gelände der Kläranlage entfallen Transportkosten und externe Entsorgungsgebühren. Die gewonnene Energie kann direkt im Kläranlagenbetrieb genutzt werden — ein erheblicher Kostenfaktor, da Kläranlagen zu den größten kommunalen Stromverbrauchern gehören.

Kein Investitionsrisiko für die Kommune: Shit2Power betreibt die Anlagen im Betreibermodell. Die Kommune zahlt pro Tonne verarbeitetem Schlamm und pro MWh gelieferter Energie — ohne eigene Investitionen, ohne Betriebsrisiko und ohne zusätzliches Personal. Die Anlage wird als Add-on neben der bestehenden Infrastruktur aufgestellt.

Potenzial zur Schadstoffzerstörung und Regulierungssicherheit: Bei Prozesstemperaturen von ca. 850 °C werden organische Schadstoffe thermisch zersetzt — einschließlich PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, sog. „Ewigkeitschemikalien"). Die quantitative Validierung erfolgt im Rahmen des Pilotbetriebs. Unabhängig davon bietet die Technologie durch die vollständige thermische Umwandlung aller organischen Bestandteile eine zukunftssichere Entsorgungslösung — besonders relevant angesichts der verschärften EU-Regulierung zu PFAS in Klärschlamm und Böden.

Klimaschutz mit messbarem Potenzial: Auf Basis unserer Prozesssimulation und Betriebsdaten ergibt sich eine berechnete Einsparung von über 800 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr und Einheit — durch vermiedenen Transport und Substitution fossiler Energieträger. Für Kommunen mit Klimaneutralitätszielen kann dies ein quantifizierbarer Beitrag sein.

Modulare Skalierbarkeit: Die Containermodule sind standardisiert und modular erweiterbar. Damit eignet sich die Technologie für Kläranlagen unterschiedlicher Größenordnungen — von der kleinen kommunalen Anlage bis zum großen Abwasserverband. Es ist keine aufwändige Integration in bestehende Anlagen erforderlich.

Einsatz über kommunale Kläranlagen hinaus: Neben der Abwasserwirtschaft eignet sich das System auch für die Entsorgung industrieller Schlämme aus Papierherstellung, Lebensmittelverarbeitung und Landwirtschaft. Öffentliche Betriebe mit mehreren Entsorgungsströmen können somit eine Technologie für verschiedene Schlammarten nutzen.

Vorgestellt am
08.04.2026
Vorgestellt von
Shit2Power GmbH
Website
Kontaktperson
Fabian Habicht
Schlagwörter
Energie
Abfallwirtschaft
Nachhaltigkeit