Kreisler
Kreisler e.V. ist ein gemeinnütziger Verein in Berlin, der neue Wege für eine nachhaltige urbane Infrastruktur erprobt. Unser Ziel: Reparatur und Wiederverwendung in die Alltagskultur der Stadt zurückbringen – einfach, zugänglich und gemeinschaftlich organisiert.
Aus einem ersten Pilotstandort in Neukölln (Gropiusstadt) soll nun ein Netzwerk an gemeinwohlorientierten Kreislauf-Hubs entstehen. Der Pilotstandort dient als Reparatur- und Leihladen, Lernort und Modell für das, was wir „Reparatur-Infrastruktur von unten“ nennen. Hier reparieren wir defekte Alltagsgegenstände, verleihen Werkzeuge und Haushaltsgeräte, geben Workshops und befähigen Nachbar:innen, Dinge selbst wieder instandzusetzen.
Wir sind unter anderem für den Deutschen Nachbarschaftspreis 2025 und den Zero Waste Award der BSR nominiert sowie vom DDC Award "Was ist gut" in der Kategorie "System Design" ausgezeichnet worden. Außerdem sind wir Teil des "Mittendrin Berlin!"-Wettbewerbs der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und entwickeln dort den Standort im Wutzky-Center gemeinschaftlich mit anderen Akteuren, Einzelhändlern & Co. vor Ort weiter.
Als dreiköpfiges Kernteam und mit einem Team von mehr als 15 Fachkräften und Ehrenamtlichen, die das Projekt in der Gropiusstadt umsetzen, wollen wir als nächstes in den Berliner Westen! Das Ziel: Ein übertragbares Modell für urbane Kreislauf-Hubs, das andere Bezirke, Kommunen und Partner adaptieren können – offen, gemeinnützig und skalierbar.
Die Lösung liegt in einer leicht zugänglichen, sozial inklusiven und alltagstauglichen Infrastruktur für Reparatur, Leihen und Tauschen – zentral gelegen, preislich fair, zeitlich flexibel und sprachlich niedrigschwellig. Der gemeinwohlorientierte Reparatur- und Leihladen Kreisler adressiert genau diesen Bedarf. Er verlängert die Lebensdauer von Produkten durch gemeinschaftliche Nutzung, Wiederverwendung und Reparatur. Zum Vergleich: Ehrenamtliche Formate wie Repair Cafés leisten wichtige Pionierarbeit, sind aber unregelmäßig und erreichen nur begrenzte Zielgruppen.
Professionelle Reparaturbetriebe sind für viele Menschen zu teuer. Damit existiert eine Lücke für eine dauerhafte, niedrigschwellige und bezahlbare Infrastruktur, die der Kreisler mithilfe sozialer Innovation schließt – reparieren und reparieren lassen, sowie leihen und tauschen gehören zum festen Angebot.
Mit dem im November 2024 eröffneten Pilotstandort in Berlin-Neukölln erprobten wir ein neuartiges Modell: ein Kreislauf-Hub mit festen Öffnungszeiten, einkommensabhängigem Mitgliedschaftsmodell und Reparaturen auf Spendenbasis – von der Nachbarschaft für die Nachbarschaft. In den ersten sechs Monaten führten wir über 550 Reparaturen durch, vermieden CO₂-intensive Neukäufe im Wert von rund 90.000 Euro und gewannen mehr als 200 Mitglieder, die nun den dauerhaften Betrieb ohne permanente Querfinanzierung ermöglichen. Die Erfahrungen zeigen, dass sozial verträgliche Mitgliedschaftsmodelle, inklusive Kommunikation und eine selbstwirksame Organisationsstruktur entscheidend sind, um Teilhabe zu ermöglichen und neue Zielgruppen zu erreichen. So entstand ein lebendiger Dritter Ort, der Kreislaufwirtschaft praktisch, sichtbar und gemeinschaftlich verankert.
Durch die Aktivierung eines bisher ungenutzten oder schwach frequentierten Ladenraums entsteht ein neuer öffentlicher Anziehungspunkt im Quartier. Wo zuvor ein Schaufenster leer stand, wird künftig geschraubt, geteilt und gelernt. Das macht Nachhaltigkeit sichtbar, zugänglich und erlebbar – nicht abstrakt, sondern mitten im Alltag.
Website: www.kreisler.berlin
Jährlich entstehen in Deutschland rund 1,5 bis 2 Millionen Tonnen Elektroschrott (The Global E-Waste Monitor, 2020). Viele Geräte landen im Müll, obwohl eine Reparatur möglich wäre. Durch längere Nutzungsdauern können wertvolle Ressourcen und Emissionen eingespart werden.
Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA, 2025) zeigt, dass sich der Austausch älterer Haushaltsgeräte gegen neue weder finanziell noch ökologisch lohnt. Die Utopia-Studie „Die grüne Mitte“ (2022) verdeutlicht, dass Reparatur auch von Menschen, die sich selbst nicht als besonders nachhaltig betrachten, als sinnvolle Handlung wahrgenommen wird. Das belegen auch unsere Erfahrungen in der Gropiusstadt (Berlin-Neukölln), wo wir einen niedrigschwelligen Reparaturort erprobt haben. Laut dem Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (2025) liegt Deutschland im internationalen Vergleich beim Reparaturverhalten weit zurück – die Gründe sind zu hohe Kosten, fehlende Zugänglichkeit und mangelnde Infrastruktur.
Die Fasanenstraße ist ein spannender Schnittpunkt aus Handel, Hochschule, Kultur und Nachbarschaft. Der Kreisler bringt diese Gruppen zusammen: Studierende reparieren mit Senior:innen, Anwohner:innen treffen Handwerker:innen, Betriebe tauschen sich mit Initiativen aus. Dadurch entsteht soziale Durchmischung und intergenerationeller Austausch, der die lokale Gemeinschaft stärkt. Der Standort bietet Kooperationsmöglichkeiten für Gewerbetreibende und Reparaturbetriebe, etwa durch gemeinsame Aktionen, Schulungen oder Servicevermittlungen. Damit fördert der Kreisler nicht nur bürgerschaftliches Engagement, sondern auch lokale Wertschöpfung im Bereich Reparatur, Wartung und Upcycling – ein wachsendes Segment der Green Economy.
Als offener, zugänglicher Ort mit regelmäßigen Veranstaltungen (Workshops, Repair Days, Materialbörsen) trägt der Kreisler zur dauerhaften Belebung der Straße bei. Er schafft neue Laufkundschaft, stärkt die Aufenthaltsqualität und setzt ein sichtbares Zeichen für einen zukunftsfähigen, ressourcenschonenden Lebensstil. Schließlich wird die Fasanenstraße mit dem Kreisler zum Reallabor einer modernen Metropole, die Nachhaltigkeit nicht nur plant, sondern praktisch ausprobiert.
Ökologische Vorteile
Abfallvermeidung: Durch Reparatur und Wiederverwendung werden jährlich hunderte Geräte und Gegenstände vor der Entsorgung bewahrt.
CO₂-Reduktion: Verlängerte Produktlebensdauern und lokale Nutzung vermeiden energieintensive Neuproduktion und Transportwege.
Ressourcenschutz: Der Standort wird zur Sammelstelle für Ersatzteile, Materialien und Komponenten, die in lokale Kreisläufe zurückfließen.
Soziale Vorteile
Teilhabe & Bildung: Alle Menschen – unabhängig von Einkommen oder Herkunft – erhalten Zugang zu Werkzeug, Wissen und Unterstützung.
Gemeinschaftsbildung: Der Kreisler ist Begegnungsort, Lernort und Identifikationspunkt für die Nachbarschaft.
Empowerment: Besucher:innen erleben, dass sie Dinge auch selbst reparieren können – das stärkt Eigeninitiative und Selbstvertrauen.
Ökonomische Vorteile
Lokale Wertschöpfung: Kooperationen mit Handwerksbetrieben, Reparaturservices und Studierendenprojekten schaffen neue Aufträge und Lerngelegenheiten.
Kostenreduktion: Nutzer:innen sparen Geld durch Reparatur statt Neukauf.
Neue Arbeitsfelder: Der Kreisler fördert berufliche Perspektiven im wachsenden Bereich der Circular Jobs. Bei uns arbeiten Menschen oft zwischen Arbeitsverhältnissen, in der Rente o.Ä. – auch für Studierende der TU könnte der Kreisler ein spannender Ort für Engagement sein.
Für die Umsetzung des Kreislers braucht es im Idealfall eine extrem reduzierte, laufende Miete und ein Startkapital von ca. 10.000 € für die Einrichtung des Standorts. Nach circa 2-3 Monaten trägt sich das Modell bei ähnlichen Besucherzahlen wie am Pilotstandort selbst. Die Finanzierung kann je nach zeitlichem Vorlauf über eine Projektförderung (Stiftung Naturschutz o.Ä.) oder über das bei 100m verfügbare Budget erfolgen.
Nach Rücksprache per E-Mail ist für uns ein Standort im Foyer der IHK oder in weiteren Zwischenräumen in der Fasanenstraße denkbar und ideal, um den Kreisler in einem neuen Umfeld zu erproben und an lokale Kontexte anzupassen.


