Straßenwende Berlin
ecopals ist ein in Berlin ansässiges Deep-Tech Startup, das nachhaltige Materiallösungen für den Straßenbau entwickelt und in die Praxis überführt. Mit der Produktlinie EcoFlakes bieten wir Hochleistungs-Asphaltzusätze aus recycelten Kunststoffen an, die fabrikneue Polymere sowie einen Teil des erdölbasierten Bitumens im Asphalt ersetzen.
Gegründet wurde ecopals 2021 mit Unterstützung des Fraunhofer-Technologie-Transfer-Fonds; 2022 beteiligte sich der High-Tech Gründerfonds. 2024 folgten weitere Investoren wie Après-demain, Companisto und die Mitteldeutsche Hartstein Industrie (MHI) als Skalierungspartner aus der Industrie. Die Arbeit von ecopals wurde 2022 mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg ausgezeichnet.
Unsere Mission ist es, Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit im Straßenbau zu verbinden. Die Produkte EcoFlakes entstehen aus schwer verwertbaren Kunststoffströmen, die heute bei Recyclern meist thermisch verwertet, also verbrannt würden. Durch gezielte Aufbereitung und Modifikation werden diese Rezyklate zu einer verlässlichen Polymermodifikation für Asphalt. Das Ergebnis sind langlebigere Fahrbahnen, messbar geringere CO₂-Emissionen und geringere Lebenszykluskosten der Straßen. Die Technologie wurde gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie, unter anderem dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) und der Universität Kassel, entwickelt und in mehr als 40 Projekten in sieben Ländern erfolgreich eingesetzt und erprobt, darunter bereits eine Referenzfläche in Berlin an der Torgauer Straße am EUREF-Campus in 2024.
ecopals arbeitet bewusst praxis- und industrienah und skaliert über starke regionale Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette. Zur Sicherung geeigneter Kunststofffraktionen kooperieren wir mit der Recyclingwirtschaft. Für die prozesssichere Dosierung der EcoFlakes an der Anlage sowie für die Einbaubegleitung arbeiten wir eng mit Asphaltmischwerken und Bauunternehmen zusammen. Für die Auftraggeberseite bedeutet dies: praxiserprobte Technologie ohne zusätzliche Investitionen in Sondertechnik und Kompatibilität mit Industrieentwicklungen aus dem Asphaltbau wie dem temperatureingesenkten Einbauverfahren und hohen Recyclingquoten im Mischgut.
Als Berliner Unternehmen verstehen wir die Herausforderungen unserer Infrastruktur: hohe Verkehrsbelastungen, gepaart mit ambitionierten Klimazielen und dem Anspruch an eine zukunftsfähige Infrastruktur. Genau hier setzt unsere Arbeit an. Mit einer Materialtechnologie, die sich sowohl in der Stadt und in Ballungsräumen als auch bei überregionalen Baumaßnahmen wie Autobahnen und Bundesstraßen bewährt hat, richten wir den Ausbau unserer Infrastruktur praxisnah und im persönlichen Kontakt mit Auftraggebern und den ausschreibenden Behörden zukunftsfähig aus.
EcoFlakes sind eine polymerbasierte Modifikation für Asphalt, hergestellt aus recycelten Kunststoffen. Technisch adressiert die Lösung jene Stellschraube, die über Langlebigkeit, Emissionsprofil und Kosten von Straßen wesentlich mitentscheidet: die Zusammensetzung des Bitumen-Bindemittels und der zugegebenen Polymere im Asphalt. Anstelle fabrikneuer Kunststoffe nutzt ecopals gezielt aufbereitete, schwer verwertbare Post-Consumer-Ströme. Durch Extrusion und chemische Modifikation werden diese Rezyklate stabilisiert und in ihrer Bindung zum Bitumen optimiert, sodass sie im Asphalt die geforderten Leistungskennwerte erreichen.
Die Leitidee ist einfach: Wo heute Neuplastik in polymermodifizierte-Bitumen, kurz PmB, Emissionen, Kosten und Importabhängigkeiten treiben, können zirkuläre Polymere aus Recyclingströmen eingesetzt werden. Konkrete Ziele sind die Reduktion der CO₂-Emissionen der Asphaltproduktion, die Verlängerung der Nutzungsdauer durch erhöhte Verformungs- und Ermüdungsresistenz, die Senkung von Lebenszykluskosten sowie die Stärkung regionaler Wertschöpfung durch ein Absenken der Rohstoffabhängigkeiten durch Nutzung von End-of-Life-Kunststoffströmen. EcoFlakes werden direkt an der Mischanlage dosiert; zusätzliche Speziallagertechnik ist nicht erforderlich. Das erleichtert die Integration in bestehende Prozesse, auch bei temperatureingesenkten Einbauverfahren und hohen RAP-Quoten (Recyclingasphalt), zwei der wichtigsten Industrietrends in der Tiefbaubranche. Insgesamt lassen sich pro eingesetzter Tonne EcoFlakes bis zu 980 Kilogramm Recyclingkunststoff in den Wertstoffkreislauf zurückführen.
Der Entwicklungsstand ist industriell erprobt. Die Technologie wurde in über 40 Projekten in sieben Ländern umgesetzt – von kommunalen Straßen über hochbelastete Logistikareale bis zu Bundesstraßen und Autobahnabschnitten. Labor- und Performance-Tests belegen Gleich- oder Überlegenheit gegenüber herkömmlichen PmB-Lösungen bei relevanten Kennwerten wie Verformungsstabilität, Kälteflexibilität und Alterungsresistenz. Die Kooperation mit regionalen Partnern wie der Dalhoff GmbH im Joint Venture EcoStreet oder mit unserem strategischen Investor MHI, der Mitteldeutschen Hartstein Industrie, demonstriert die Praxistauglichkeit unserer Technologie und stärkt ihre erfolgreiche Umsetzung im operativen Straßenbau.
Im Reallabor auf dem Areal des Ludwig Erhard Haus schlagen wir einen Demonstrationsabschnitt vor, in welchem ein EcoFlakes-Asphalt eingebaut wird und so den urbanen Kreislaufgedanken erfahrbar macht. Vorgesehen ist ein Einbauabschnitt in der Deckschicht mit EcoFlakes, ergänzt um eine schmale Informationszone am Rand mit Infopanel mit Verweis auf eine Projektseite mit Kennzahlen zu CO₂-Einsparung, Materialsubstitution und Bauablauf.
Die Besonderheit der Lösung liegt in der Verknüpfung von ökologischem Nutzen und baubetrieblicher Einfachheit. Die Alltagstauglichkeit ist gegeben, der Transfer in andere Stadtquartiere naheliegend, die Skalierung über bestehende Mischwerks- und Baukapazitäten aufgrund der Erprobtheit und Portfolioreferenzen der Lösung sofort umsetzbar.
Website: www.ecopals.de
Die Wirkung adressiert ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen gleichzeitig und unmittelbar im öffentlichen Raum. Ökologisch reduziert der Einsatz von EcoFlakes den Einsatz von Frischbitumen und fabrikneuen Polymeren, senkt so den CO₂-Fußabdruck der Asphaltproduktion um bis zu 20 Prozent und schafft einen hochwertigen Verwertungsweg für schwer recycelbare Kunststoffströme. Zugleich unterstützt die Technologie temperatureingesenkten Einbau und hohe Asphaltausbauanteile im Mischgut, was Energieverbrauch und Emissionen zusätzlich mindert. Die Straße wird damit selbst zum Ort gelebter Kreislaufwirtschaft.
Sozial entsteht Wirkung durch Verlässlichkeit und Sicherheit im Alltag. Langlebigere Fahrbahnen bedeuten weniger Sperrungen, weniger Flickwerk und damit weniger Störungen für Anwohnende und Gewerbe.
Ökonomisch verbessert die Lösung die Budgeteffizienz der öffentlichen Hand. Durch Reduktion materialgetriebener Kostenpositionen, die Entlastung bei Bitumenmengen, die Stärkung und Absicherung von Lieferketten, und den Wegfall zusätzlicher Spezialinfrastruktur entstehen Einsparpotenziale in der Herstellung; durch verlängerte Nutzungsdauern reduzieren sich Instandhaltung und Eingriffe im Lebenszyklus. Regionale Wertschöpfung profitiert, weil die benötigten Kunststoffströme mittelfristig aus der Stadt und ihrem Umland stammen können und Verarbeitung und Einbau vor Ort stattfinden.
Für den Raum um das Ludwig Erhard Haus bedeutet die Lösung eine funktionale Aufwertung. Der Demonstrationsabschnitt bleibt regulärer Park- und Durchfahrtsraum, die begleitende Informationszone ist dezent, klar gestaltet und barrierearm erfahrbar. Zusätzlich macht der Demonstrationsabschnitt Kreislaufwirtschaft in der Berliner Infrastruktur ganzheitlich erfahrbar: Vorbeifahrende erleben den Abschnitt im Alltag, Interessierte vertiefen Inhalte per QR-Code. Die Stadtgesellschaft erhält ein handfestes Beispiel dafür, wie urbane Infrastruktur ökologisch und wirtschaftlich zugleich modernisiert werden kann, und zwar mit Perspektive auf Übertragbarkeit in weitere Kieze und Bezirke.
In der frühen Entwicklungsphase wurde ecopals vor allem durch wissenschaftsnahe Förderstrukturen unterstützt. Die Grundlagenerarbeitung unserer Materialtechnologie entstand im Rahmen geförderter Forschungs- und Entwicklungsprojekte, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer ICT dem Schritt der Ausgründung mithilfe des Fraunhofer Technologie-Transfer Funds (FTTF). Diese Mittel schufen die Basis für unsere Produkte und die anschließende Überführung in Industrie- und Realumgebungen.
Aufbauend darauf wurde ecopals durch einen private Deep-Tech-Investoren finanziert, dem High-Tech Gründerfonds (HTGF), die gezielt die Weiterentwicklung unserer Kerntechnologien unterstützten. Diese Phase ermöglichte die Beschleunigung der Produktentwicklung, die Etablierung eigener Laborprozesse sowie die Vorbereitung erster industrieller Pilotierungen.
Seit 2024 wird ecopals zudem durch weitere Investoren aus dem Private Equity Bereich, wie Après-demain und Companisto sowie einem strategischen Industriepartner aus dem mittelständischen Hoch- und Tiefbau, die MHI, begleitet. Die Kooperation dient der gemeinsamen Erprobung unserer Materialtechnologie im realen Bauumfeld und schafft einen wichtigen Brückenschlag zwischen Forschung, technologischer Produktreife und industrieller Umsetzung.
Für eine erste Orientierung lässt sich die Sanierung einer Asphaltdeckschicht anhand eines typischen Szenarios abbilden. Dabei wird ausschließlich die obere Asphaltschicht erneuert, üblicherweise in einer Dicke von rund 4 cm. Die Kostentreiber ergeben sich aus drei Standardpositionen, für die sich am Markt grobe Richtwerte ableiten lassen.
Für die Fräsarbeiten ist bei einer Stärke von etwa 4 cm mit rund 5 € pro Quadratmeter zu rechnen. Die Materialkosten für das benötigte Asphaltmischgut (z. B. AC 11 DS) liegen typischerweise bei etwa 130 € pro Tonne. Bei einer Schichtdicke von 4 cm werden erfahrungsgemäß ungefähr 10 Tonnen pro 100 Quadratmeter benötigt. Für den Einbau der neuen Deckschicht fallen rund 70 € pro Quadratmeter an.
Hervorzuheben ist, dass die tatsächlichen Gesamtkosten schließlich davon abhängen, welche Teilflächen des Areals technisch geeignet und sinnvoll sanierbar sind. Sobald die relevante Fläche definiert ist, kann auf dieser Grundlage eine präzise und projektspezifische Kalkulation erstellt werden, die alle Mengen, Rahmenbedingungen und möglichen Optimierungen berücksichtigt.
Abschließend besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines kooperativen Ansatzes auf die Unterstützung der Dalhoff GmbH Straßen- und Tiefbau zurückzugreifen, mit der im Berliner Raum bereits eine etablierte Zusammenarbeit über das Joint Venture EcoStreet besteht. Dies kann technische Abstimmungen, Mengenermittlungen und die spätere operative Umsetzung zusätzlich erleichtern.


