Earthbound | Lehmsteine aus Berliner Böden
Earthbound ist ein 2025 gegründetes Berliner Climate-Tech-Startup, das sich der grundlegenden Transformation der Bauindustrie verschrieben hat. Unsere Mission ist es, Materialien und Prozesse so weiterzuentwickeln, dass Bauen innerhalb planetarer Belastungsgrenzen möglich wird. Im Zentrum steht dabei die Umwandlung urbaner Abfallströme – insbesondere mineralischer Baustellenaushub – in hochwertige, zirkuläre Baustoffe, die konventionelle, CO₂-intensive Materialien ersetzen können.
Das Gründungsteam vereint wissenschaftliche Expertise, betriebswirtschaftliche Kompetenzen und praktische Bauerfahrung. Die Gründer haben über viele Jahre hinweg an der Schnittstelle von Architektur, Forschung und Kreislaufwirtschaft gearbeitet und dort verschiedene innovative Baustoffe, Bauteilsysteme und Dienstleistungen entwickelt. Sie verfügen über umfangreiche Projekterfahrung in Materialforschung, Materialprüfung und der Umsetzung von Pilotprojekten im städtischen Kontext.
Aktuell befindet sich Earthbound im Aufbau einer urbanen Produktionsstätte auf dem Gelände der Urban Tech Republic in Berlin-Tegel – ein wichtiger Schritt hin zu einer stadtintegrierten und emissionsarmen Fertigung von Baustoffen für Berlin.
Als unabhängiges, wachsendes Startup mit einer starken Forschungsbasis verfolgen wir das Ziel, den Übergang von einer extraktiven zu einer regenerativen Bauwirtschaft aktiv zu gestalten. Unsere Arbeit verbindet Grundlagenforschung, angewandte Materialentwicklung und die Fähigkeit, Innovationen schnell in reale Testumgebungen zu überführen. Diese Verbindung macht Earthbound zu einem idealen Partner für das Reallabor „100m Zukunft“, das Lösungen sucht, die unter realen Bedingungen funktionieren und direkt im Stadtraum sichtbar sind.
Neben der Materialentwicklung verfügen wir über ausgewiesene Kompetenz im urbanen Ressourcenmanagement, in der Durchführung und Begleitung von Pilot- und Demonstrationsprojekten sowie im Umgang mit Genehmigungsprozessen im öffentlichen Raum. Durch unser breit aufgestelltes Netzwerk – darunter Bauhaus Erde, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Concular, die Technische Universität Berlin sowie zahlreiche Planungs- und Ingenieurbüros – sind wir hervorragend vernetzt, um Materialinnovationen in komplexen urbanen Strukturen zu verankern.
Unser Produktschwerpunkt liegt auf Lehmbaustoffen, die vollständig ohne Zement und ohne Brennvorgänge auskommen. Statt auf extraktive Rohstoffgewinnung setzen wir auf das Prinzip „Stadt als Materialbank“. Baustellenaushub – der größte Abfallstrom Europas – bildet bei uns den Ausgangspunkt für leistungsfähige, kreislauffähige Baustoffe, die eine radikale Minderung von CO₂-Emissionen ermöglichen und zugleich neue lokale Wertschöpfungsketten schaffen. Für diesen Ansatz wurde Earthbound mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einer Nominierungen für den Bundespreis Ecodesign.
Der Bausektor ist für rund 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, 60 Prozent des globalen Rohstoffverbrauchs und 55 Prozent des gesamten Abfallaufkommens verantwortlich. Ohne einen systemischen Wandel in der Art und Weise, wie wir unsere gebaute Umwelt errichten, nutzen, instandhalten und schließlich in natürliche Kreisläufe zurückführen, werden die globalen Bemühungen zur Eindämmung der Klimakrise scheitern. Die Frage, wie wir bauen, wird damit zu einer zentralen Stellschraube für Klimaschutz und Ressourcenschonung.
In Berlin fallen jährlich etwa 3,8 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle an. Rund 1,8 Millionen Tonnen davon werden als “Boden und Steine” klassiert. Ein Großteil dieser Materialien wird bislang in Tagebauen verfüllt – ein linearer Prozess, der hohe Transportemissionen verursacht und keinerlei stoffliche Nutzung vorsieht. Eine genauere Analyse zeigt jedoch: Etwa 500.000 Tonnen dieses Materials sind nicht kontaminiert (ehemals Z0 nach TR LAGA), bestehen häufig aus lehmhaltigen Böden und sind durch die im Rahmen gesetzlicher Bodengutachten erhobenen Beprobungen bereits umfassend charakterisiert. Genau hier setzt Earthbound an.
Wir durchbrechen den linearen Entsorgungsweg und bereiten regionale Bodenmaterialien für die Produktion hochwertiger Lehmbaustoffe auf. Grundlage hierfür ist ein wissenschaftlich fundierter Abgleich zwischen der natürlichen Bodenkomposition und einer optimierten Soll-Rezeptur für leistungsfähige Lehmsteine. So können wir gezielt ermitteln, welche Anpassungen erforderlich sind, um Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Materialqualität zu gewährleisten. Für diese Optimierung greifen wir ebenfalls auf regionale Abfallströme zurück: hochtonige Erden aus Schlämmen des Sand- und Kiestagebaus zur Erhöhung der Bindekraft oder Ziegel- und Betonbruch zur Verbesserung der Kornstruktur und Materialverzahnung.
Das Ergebnis ist ein Baustoff, der zu 100 Prozent aus Abfallmaterialien besteht und vollständig ohne Zement oder Brennvorgänge auskommt. Durch diese Herstellungsweise ist das Material nicht nur extrem emissionsarm, sondern auch vollständig kreislauffähig: Am Ende seiner Nutzung kann es ohne Qualitätsverlust wieder zu neuen Lehmbaustoffen verarbeitet oder – dank seiner reinen mineralischen Zusammensetzung – in den natürlichen geologischen Kreislauf zurückgeführt werden. Historische Lehmbauten weltweit zeigen, dass die Lebensdauer solcher Materialien nahezu unbegrenzt ist und selbst jahrhundertelang genutzte Bauteile ihre Wertigkeit behalten.
Unsere bisherigen Arbeiten haben wir bis zur behördlichen Zulassung eines tragenden Lehmsteins aus Berliner Aushubmaterial geführt. Aufbauend darauf konnten die Gründer im Juni 2024 einen entscheidenden Proof of Principle realisieren: Im Potsdamer Reallabor wurden 3.000 dieser zertifizierten Steine verbaut und unter realen Bedingungen getestet. Das Projekt bestätigte nicht nur die technische Machbarkeit, sondern gab auch den Anstoß für die Entwicklung weiterer Produkte wie Lehmmauerwerksmörtel oder Lehmdeckensteine – ebenfalls auf Basis von Aushubmaterialien.
In unserer Vision einer Zero-Waste-Hauptstadt übernimmt Earthbound die Rolle eines urbanen, zirkulären Materialproduzenten. Wir entwickeln eine industrielle Fertigungslinie, die regionale Bauvorhaben mit leistungsfähigen Alternativen zu Beton, Ziegel und Kalksandstein versorgt. Im Frühjahr 2026 beginnt unser erster vollautomatisierter Produktionszyklus: Aus rund 500 Tonnen Aushub entstehen etwa 50.000 Mauersteine.
Ein Teil dieser Steine soll als Beitrag zur „100m Zukunft“-Challenge eingesetzt werden. Geplant ist eine temporäre Installation aus Lehmsteinen– etwa als Wandmodul, Sitzstruktur oder architektonisches Element. Begleitende Informationsmaterialien erläutern den Materialkreislauf und die städtische Herkunft der Böden. Falls möglich, integrieren wir sogar Bodenmaterial aus der Fasanenstraße selbst. Ebenso freuen wir uns über mögliche Kooperationen mit anderen Baustoffanbieter:innen aus dem Wettbewerb, um Synergien sichtbar zu machen und den materiellen Wandel Berlins gemeinsam erlebbar zu gestalten.
Webseite: www.eb.eco
Die Umsetzung unserer Lösung leistet einen substanziellen Beitrag zu einer klimaneutralen, ressourcenschonenden und sozial-gerechteren Stadt. Indem Earthbound mineralische Aushubmassen – Berlins größte Abfallfraktion – in hochwertige, kreislauffähige Baustoffe transformiert, schaffen wir ein Modell für urbane Kreislaufwirtschaft, das unmittelbar erfahrbar wird. Die Installation im Rahmen der „100m Zukunft“-Challenge macht diesen Wandel sichtbar und zeigt, wie Städte Materialkreisläufe eigenständig schließen können.
Ökologische Wirkung: Durch die Nutzung von Baustellenaushub entfällt der Bedarf an extraktiven Rohstoffen. Gleichzeitig reduzieren wir CO₂-Emissionen gegenüber herkömmlichen Mauersteinen um bis zu 95 %, da weder Brennprozesse noch hydraulische Bindemittel eingesetzt werden. Die Installation demonstriert damit eine sofort umsetzbare Möglichkeit, Emissionen im Bausektor signifikant zu senken. Am Ende ihrer Nutzungsdauer können die Earth Blocks rückgebaut, erneut verarbeitet oder in den natürlichen mineralischen Kreislauf zurückgeführt werden – ein geschlossener Stoffstrom, der Zero-Waste-Prinzipien konsequent umsetzt.
Soziale Wirkung und Beitrag zur Stadtgesellschaft: Die Installation in der Fasanenstraße schafft einen sichtbaren Lern- und Begegnungsort. Sie zeigt Bürger*innen, wie aus scheinbar wertlosen Abfallstoffen funktionale Architektur entsteht, und macht komplexe Themen wie Bodenschutz, Materialkreisläufe und Ressourcenknappheit verständlich und greifbar. Die Strukturen – etwa Sitzmodule oder Wandsegmente – laden zur Interaktion ein und fördern Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Informationsmaterial ermöglicht zudem eine niedrigschwellige Auseinandersetzung mit nachhaltiger Stadtentwicklung.
Darüber hinaus setzen wir auf kollaborative Prozesse: In Kooperation mit lokalen Gewerben, Baustellen, Materialpartnern oder Studierenden entstehen nicht nur bauliche Artefakte, sondern auch Netzwerke und neue Formen gemeinsamer Wertschöpfung im Quartier.
Ökonomische Wirkung und Nutzen für Unternehmen: Earthbound bietet eine Lösung, die wirtschaftlich relevante Herausforderungen adressiert: steigende Entsorgungskosten, knappe Rohstoffe und hohe Anforderungen an klimafreundliches Bauen. Durch die Aufarbeitung regionaler Aushubböden entstehen neue lokale Wertschöpfungsketten, die Entsorgungskosten reduzieren, Transportwege verkürzen und Unternehmen Zugang zu innovativen Baustoffen verschaffen. Für die Berliner Bauwirtschaft, die sich im Zuge neuer Klimaschutzvorgaben transformieren muss, entsteht damit ein direkt nutzbarer Alternativbaustoff, der Kosten- und Emissionsrisiken mindert. Die Demonstrationsstruktur fungiert als realer Showroom für eine neue Produktgeneration und ermöglicht es Planungsbüros, Bauträger*innen und städtischen Behörden, Materialeigenschaften unmittelbar zu erleben.
Raumwirkung und Beitrag zur Belebung des Standorts: Die Installation gestaltet den Stadtraum der Fasanenstraße aktiv mit. Sie schafft neue Aufenthaltsangebote – etwa Sitzgelegenheiten, schattenspendende Mikrostrukturen oder räumlich gefasste Kommunikationsorte – und trägt damit zur Belebung und Nutzungsvielfalt des Straßenabschnitts bei. Als sichtbares, taktiles Element wirkt sie als Landmark im Reallabor und fördert die Identifikation mit dem Projekt. Die Einbindung von lokalem Boden aus der Umgebung – sofern möglich – macht den Ort selbst zum Bestandteil der Installation. So entsteht ein unmittelbarer Bezug zwischen dem urbanen Boden, der Stadtgesellschaft und der gebauten Struktur. Die Lösung fügt sich modular, rückbaubar und barrierefrei in den Ort ein und kann ohne Eingriff in die bauliche Infrastruktur eingebracht werden.
Stärkung des Quartiers und langfristige Wirkungen: Durch die Sichtbarkeit eines funktionierenden Kreislaufprozesses im Maßstab 1:1 entsteht Bewusstsein für die Ressourcen, auf und mit denen die Stadt gebaut ist. Die Installation stärkt die lokale Innovationskultur, macht nachhaltige Bauweisen erlebbar und kann Impulse für weitere Projekte im Umfeld setzen. Unternehmen, Verwaltungen und die Nachbarschaft erhalten ein konkretes Beispiel dafür, wie Berliner Abfall zu einem hochwertigen Material transformiert werden kann – und wie urbane Ressourcennutzung zum integralen Bestandteil der Stadtentwicklung wird. Damit trägt Earthbounds Beitrag nicht nur zur ökologischen Transformation des Bausektors bei, sondern belebt den öffentlichen Raum, vernetzt Akteur:innen und schafft langfristigen Mehrwert für das Stadtquartier und die Berliner Stadtgesellschaft.
Für die Umsetzung des Ausstellungsbeitrags entstehen voraussichtlich Kosten in den Bereichen Materialbereitstellung, Transport, Personalaufwand sowie Druck- und Dokumentationsleistungen. Ein Teil dieser Aufwendungen lässt sich jedoch deutlich reduzieren, da Earthbound bereits über zentrale Ressourcen und Infrastrukturen verfügt, die für das Vorhaben ohne zusätzliche Kosten genutzt werden können. Hierzu zählen insbesondere:
Labor- und Werkstattausstattung zur Herstellung der Lehmbaustoffe am Standort Urban Tech Republic (Berlin-Tegel).
Vorliegende bzw. beantragte Prüfunterlagen, einschließlich Prüfzeugnis und Stammdatenblatt für Lehmsteine aus Berliner Aushubböden.
Erfahrung und etablierte Abläufe im Bau und Rückbau zirkulärer Demonstratoren, wodurch die Projektumsetzung effizient und risikoarm erfolgen kann.
Ein eingespieltes Partnernetzwerk zur Unterstützung bei Planung, Logistik, baulicher Umsetzung und Projektdokumentation.
Durch die Einbringung dieser bestehenden Ressourcen kann der zusätzliche Finanzierungsbedarf für den Beitrag im Rahmen des Reallabors „100m Zukunft“ auf ein angemessenes Maß begrenzt werden. Unter Berücksichtigung des geplanten Umfangs, der vorgesehenen räumlichen Intervention und der begleitenden Kommunikationsmaßnahmen ist mit einem voraussichtlichen Finanzierungsrahmen von 12.000 bis 18.000 Euro zu rechnen.
Dieser Ansatz gewährleistet eine wirtschaftlich tragfähige Umsetzung der Installation. Die bereits vorhandenen Kapazitäten von Earthbound tragen zudem dazu bei, Planungs- und Umsetzungssicherheit herzustellen und das Vorhaben im vorgesehenen Zeitraum ohne Verzögerungen zu realisieren.
Eine mögliche Ausstellungsform ist ein ca. 2,40 m breites und 2,00 m hohes Wandmodul aus Earthbound-Lehmsteinen, errichtet auf einem 30 cm hohen Sockel aus Re-Use-Beton oder Altziegeln. Die Konstruktion nutzt bewusst die Überdachung des Kolonnadengangs, die für den Feuchteschutz des Lehms essenziell ist, bleibt dabei aber vollständig innerhalb der geforderten Abstandsflächen (80 cm vor der Fassade und um die Stützen). In der Mitte der Wand befindet sich eine große Öffnung mit flachem Mauerwerksbogen, in die eine Sitzbank auf normaler Sitzhöhe integriert ist. So entsteht ein visuell durchlässiges, standsicheres und reversibles Element, das den Ort funktional ergänzt, ohne Wege zu beeinträchtigen oder lose Bauteile zu erzeugen.
Diese Variante ist ein Vorschlag, der sich besonders für den geschützten Bereich der Kolonnade eignet; wir sind jedoch offen für alternative Standorte, einschließlich anderer Außenflächen oder – sofern gewünscht – auch für eine Umsetzung im Innenraum des LEH. (Mögliche Flächen: 2.1, 2.2, 2.4 oder 2.5)


