Lokales MehrwegTal Verbundnetzwerk
Der Markt für Mehrwegsysteme ist vielfältig und heterogen: Neben etablierten, international skalierten Systemen entstehen spezialisierte Lösungen neuer Anbieter. So treffen unterschiedliche Reifegrade, Geschäftsmodelle und Skalierungspotenziale aufeinander. Für breite Akzeptanz und eine wirtschaftliche Umsetzung braucht es einen klar organisierten Mehrwegkreislauf mit verlässlicher Rücklogistik, Reinigung, Sortierung, Distribution, Administration und digitaler Abwicklung. Genau hier setzt der Kreislaufverbund Mehrweg (KVM) an. Als neutrale, anbieterübergreifende Instanz organisiert er Mehrweginfrastrukturen auf Basis bereits existierender Strukturen – mit dem Ziel, diese für neue Mehrwegbehälter zu öffnen, Kosten zu senken, Wettbewerb zu stärken, die Wahlfreiheit der Lebensmittelunternehmen zu sichern und die Skalierung von Mehrwegsystemen zu beschleunigen.
Der KVM, sein Regelwerk und seine Ablauforganisation entstanden über fünf Jahre in einem Konsortium aus über 25 Unternehmen des Mehrwegökosystems. Der Verbund ist „not for profit“ und setzt auf Mitbestimmung und Mitgestaltung seiner Mitglieder. Auf dieser Basis wurden bereits kommunale Mehrwegstrukturen umgesetzt; Erfahrung im B2C- und B2B-Bereich hat der KVM in mehreren Städten gesammelt. Er nutzt bewährte Infrastrukturpartner aus Mehrweggetränkelogistik, Transportlogistik, Spülzentren, Pfanddienstleistung, Stammdatenmanagement und Administration, um lokale Strukturen aufzubauen und neue zirkuläre Geschäftsmodelle zu eröffnen.
Kern der Systematik ist das Mehrwegregister, das die Stamm- und Bewegungsdaten aller im Kreislauf befindlichen Behälter verwaltet. Weitere Säulen sind eine einheitliche serialisierte Kennzeichnung, ein Abrechnungsmodell aus Kreislaufbeitrag und Pfand sowie die Pfandkonsolidierung zwischen Rücknahmestellen und Mehrweganbietern.
Ein MehrwegTal Hub in Wuppertal kann auf dieser Systematik aufbauen – analog zu den erprobten Verbünden in Mainz/Wiesbaden und Freiburg sowie vergleichbaren Ansätzen mit KVM-Partnern in Kiel und Darmstadt. Die offene, mitbestimmungsorientierte Struktur berücksichtigt lokale Gegebenheiten und bindet privatwirtschaftliche wie kommunale Akteure (AWG und ESW) ein.
Wettbewerb und Wahlfreiheit für die Gastronomie und Handwerksbetriebe schaffen Akzeptanz von Mehrweg. Einfache Teilnahmeverträge, klare Abläufe und eine lokale Koordinierungsstelle – zuständig für Aufbau und Betrieb der Infrastruktur – erleichtern die Einbindung von Betriebsstätten und Dienstleistern. Für die Außer-Haus-Szenarien greift der KVM auf das breite Sortiment der beteiligten Anbieter zurück, fehlende Mehrwegbehälter lassen sich über Hersteller und Mehrweganbieter oder eine Poolverwaltung ergänzen.
Bäckereien, Tankstellen und Gastronomiebetriebe profitieren von klaren Rückgabewegen, transparenter Abrechnung, verlässlicher Reinigung und zentraler Koordination. Akzeptanz entsteht vor allem durch die Nutzung bestehender Lieferantenbeziehungen und gelernter, einfacher Prozesse. Erfahrungen zeigen: Anfängliche Skepsis sinkt, sobald Mehrweg im Alltag ohne nennenswerten Zusatzaufwand funktioniert. Die Schulung und Motivation der Mitarbeitenden bleiben zentrale Erfolgsfaktoren und werden vom KVM unterstützt. Im B2C beeinflusst das Verhalten der Nutzenden die Rücklaufquote, im B2B sind Lagerplatz, regelmäßige Rückholung und der Schutz vor Zweckentfremdung entscheidend.
Emissionen und Kosten sinken durch vorhandene Infrastruktur und effizientere Kapazitätsauslastung: Größere, planbare Mengen reduzieren Transport- und Reinigungsemissionen, standardisierte Abläufe steigern die Effizienz. Die zentrale Reinigung mit abgestimmter Spülchemie und Qualitätssicherung verlängert zudem die Lebensdauer der Mehrwegangebote. Becher und Schalen laufen über dieselbe Infrastruktur wie Mehrweg für Veranstaltungen; Betriebe mit Speiseausgabe an Endkund*innen lassen sich zugleich mit B2B-Gebinden beliefern, was Mehrfachanfahrten und damit Emissionen vermeidet.
Der Kreislaufverbund Mehrweg bietet dem Projektkonsortium nicht nur einen Baukasten an Lösungsvarianten, sondern eine kartell- und wettbewerbsrechtliche sichere Organisationsform, die den Aufbau des MehrwegTal Hubs beschleunigt und ein skalierbares, übertragbares Modell für B2B- und B2C-Mehrweg in Wuppertal schafft. Die Steuerung verbleibt dabei beim kommunalen Konsortium, welches den Mehrwegtal Hub mit Hilfe der KVM organisiert und perspektivisch auch vollständig die Koordinierungsrolle übernehmen kann.
Das Mehrwegregister ist das zentrale IT-System des Kreislaufverbunds Mehrweg (KVM) für die anbieterübergreifende Organisation von Mehrweginfrastrukturen. Es verbindet Stammdaten, Bewegungsdaten, Prozesslogik und Schnittstellen und vernetzt Mehrweganbieter, Spülzentren, Logistikpartner, Rücknahmestellen, Pfanddienstleister und weitere Infrastrukturpartner und deren bereits existierenden Systeme.
Kern des Systems sind harmonisierte Stammdaten zu Teilnehmenden, Standorten, Mehrwegartikeln, Pfandwerten und serialisierten Behältern. Sie ermöglichen die eindeutige Identifikation einzelner Gebinde und eine konsistente Abwicklung entlang des Mehrwegkreislaufs. Für das Tracking nutzt das System eine GS1-konforme serialisierte Kennzeichnung, die aktuell als QR-Code dargestellt wird, aber auch die Nutzung von RFID ermöglicht. So können unterschiedliche kompatible Systeme mit den Behältern interagieren und bereits gekennzeichnete Mehrwegsysteme lassen sich integrieren.
Definierte Prozessschritte unterstützen Registrierung, Rücknahme, Sortierung, Reinigung, Bestandsführung, Pfandkonsolidierung und Reporting. Die Zahl verpflichtender Scanvorgänge bleibt dabei auf das notwendige Maß begrenzt. Behälter können an Prozesspunkten erfasst werden, sodass Status, Bestände, Rückläufe und Umlaufbewegungen auswertbar sind. Bewegungs- und Prozessdaten aus der (Aus-)Sortierung und Reinigung bilden zudem die Grundlage für CO₂-Berechnungen und das Nachhaltigkeitsreporting. Durch die Verknüpfung von Trackingdaten, Umlaufzahlen, Reinigung und Transportdistanzen lassen sich ökologische Effekte bewerten.
Der KVM kann parallel mit geschlossenen und offenen Mehrwegsystemen arbeiten und ergänzende Informationen aggregiert oder auf Seriennummernbasis für das Poolmanagement bereitstellen. Poolmanagement, Distribution, Kundenmanagement und Service bleiben differenzierende Aufgaben der Mehrweganbieter im Wettbewerb. Ein Verwaltungssystem für Mehrwegbehälterpools ist bereits an das Mehrwegregister angebunden und ermöglicht den Aufbau eines neuen Mehrwegpools.
Das Mehrwegregister ersetzt bewusst keine bestehenden Warenwirtschafts-, Kassen-, Pooling- oder Verwaltungssysteme der beteiligten Unternehmen. Stattdessen stellt es standardisierte, kompatible Schnittstellen bereit, über die notwendige Daten synchronisiert werden. Der Austausch erfolgt über dokumentierte REST-APIs und klar definierte Datenmodelle. Dadurch bleibt die Lösung systemoffen, integrationsfähig und mit geringem Aufwand an bestehende IT-Landschaften anschlussfähig und kompatibel.
Praxisbeispiele belegen diesen Ansatz: Das GEDAT-System der Getränkebranche übernimmt Stammdaten zu Mehrwegartikeln und Teilnehmenden aus dem Mehrwegregister und stellt sie rund 2.000 Getränkelogistikern und Lebensmittellieferanten bundesweit bereit. Spülzentren können in einem Ablauf Mehrwegbehältern unterschiedlicher Anbieter in einer spezialisierten Software melden.
Teilnehmende Mehrweganbieter erhalten regelmäßig individuell zugeschnittene Reports zu Sortierung, Reinigung und Beständen in unterschiedlichen Aggregationsstufen. Sie unterstützen die Distributionsplanung und überbrücken unterschiedliche technische Reifegrade, bis standardisierte Schnittstellen breiter genutzt werden. Der Digital Link Resolver Service verknüpft Seriennummern aus der QR-Code-Kennzeichnung mit einer WebApp. Diese zeigt Konsument*innen bspw. in Freiburg Standorte teilnehmender Betriebsstätten im lokalen Netzwerk und bietet Mehrweganbietern sowie ihren Kunden Zusatzfunktionen wie Informationen, digitale Bonuskarten und Sichtbarkeit.
Der Resolver Service kann für eine Vielzahl von Applikationen genutzt werden. Die Artikel- und Teilnehmerstammdaten werden per Schnittstelle für das Pfandclearing bereitgestellt. Über die Datenstruktur des Mehrwegregisters und die Pfandclearingunternehmen lassen sich Pfandwerte einzelner Artikel verfolgen und anpassen. Etablierte und bereits genutzte digitale Lösungen lassen sich nach demselben Prinzip anbinden.
Zur Sicherung der Datenqualität werden Stamm- und Bewegungsdaten nach abgestimmten Prozessen gepflegt und verarbeitet. Prüfroutinen unterstützen Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz. Relevante Ein- und Ausgabedaten werden nachvollziehbar gespeichert, sodass Datenflüsse auditierbar bleiben und Anforderungen an Transparenz, Compliance und Reporting erfüllt werden. Die modulare Architektur kann um weitere Schnittstellen, Reportingfunktionen und kommunale oder regionale Anwendungsfälle erweitert werden.
Ziel der KVM Systematik ist es, den operativen Aufwand für Betriebsstätten gering zu halten und die anbieterübergreifende Nutzung gemeinsamer Mehrweginfrastruktur technisch abzusichern. So entsteht eine skalierbare, transparente und interoperable IT-Basis für lokale und überregionale Mehrwegkreisläufe. Im Rahmen der Pilotierung können unterschiedliche Systeme von Digitalpartnern eingebunden werden, um etwaige Lücken zu schließen.
Besonders erfolgreich sind Open Source Projekte, die technische Qualität, eine aktive Community und ein tragfähiges Betriebsmodell miteinander verbinden. Fehlt einer dieser Bereiche, kann ein Projekt trotz guter Software langfristig scheitern.
Die Entwicklung des Kreislaufverbund Mehrweg als organisatorische Komponente und der technischen Umsetzung des Mehrwegregisters ähneln diesem Ansatz durch das:
Vorhandensein einer starken praxisorientierten Community,
gemeinsame Weiterentwicklung durch Anbindung neuer Digitalpartner und deren existierenden und spezialisieren Systeme,
die Funktionalitäten entlang des Mehrwegkreislaufes bereitstellen,
einer nachhaltigen anteiligen Finanzierung durch Teilnahmebeiträge und transaktionsbasierten Gebühren, sowie
die Übergabe der Verantwortung an ein professionelles Softwareunternehmen für die Weiterentwicklung, Betrieb, Support und Pflege.
Die Grundlage für das Mehrwegregister bildet ebenfalls ein bereits existierendes Kernsystem für die Verfolgung von serialisierten Gegenständen, welches um die Kernfunktionalitäten des Mehrwegregisters erweitert wurde. Das Recht auf Erweiterung ergibt sich aus der Notwendigkeit neue IT-Systeme anzubinden, die auf der Basis von Beschlüssen der Systemkommission getroffen werden. Die Systemkommission im KVM wird von Vertretern aus der Initiative Reusable To-Go gebildet, die unterschiedliche Bereiche des Mehrwegökosystems repräsentieren.
Durch die Arbeit der Initiative Reusable To-Go, die beteiligten Verbände und die teilnehmenden Unternehmen am Kreislaufverbund Mehrweg hat sich eine praxisorientierte Community über die letzten fünf Jahre etabliert, die die Entwicklungen im organisatorischen und technischen Bereich maßgeblich bestimmt. Wird eine Funktionalität oder ein Report benötigt, so wird das Mehrwegregister auf der Basis einer gemeinsam abgestimmten Spezifikation weiterentwickelt.
Durch die intensive Einbindung der Community und den Beirat als Vertreter der betroffenen Wirtschaftskreisen entsteht eine Verpflichtung zum zielorientierten Handeln. Ein aktuelles Beispiel ist die Anbindung einer spezialisierten Verwaltungs- und Abrechnungssoftware für Spülzentren, die bereits in verschiedenen Spülzentren bundesweit zum Einsatz kommt. Hier zeigt sich, dass eine Neuentwicklung oder gar ein Ersatz existierender etablierter Systeme durch zentrale Funktionalität wirtschaftlich schlechter abschneidet als eine Anbindung über eine Schnittstelle, gleichzeitig können die Lizenzkosten für diese Software in den Spülpreis einfließen und damit wiederum durch den Kreislaufbeitrag gegenfinanziert werden.
Der KVM ist bestrebt immer mehrere Anwendungsanbieter einzubinden. Ein weiteres Beispiel sind Kollex und Gastivo, die beide Bestellplattformen für den Großhandel und die Gastronomie betreiben und Betrieben ermöglichen Mehrwegbehälter über ihre gewohnten Bestellwege zu bestellen.
Eine Übertragung des Mehrwegregisters an ein kommunales Konsortium ist nicht vorgesehen. Viel eher ist die Einbindung eines kommunalen Konsortiums in die Systemkommission erstrebenswert, um Teil des sogenannten Entscheiderkreises zu werden. Mitglieder des kommunale Konsortium können Dienstleistungen und die Koordinierungsfunktion für den lokalen Mehrwegverbund übernehmen während die KVM im Hintergrund Administration und Abrechnung mit professionellen Dienstleistern organisiert.
Die Initiative Reusable To-Go wurde im Jahr 2021 gegründet, und umfasst derzeit über 25 Unternehmen aus verschiedenen Kompetenzbereichen des Mehrwegkreislaufes. Dazu zählen u.a.:
Hersteller von Mehrwegbehältern (u.a. SPIES Kunststoffe GmbH, Amcor Rigid Packaging Solutions International, bekuplast GmbH)
Anbieter von B2C Mehrweglösungen (FairCup GmbH, Nette GmbH, Gebas GmbH, Cup & More Andresen Mehrweglogistik e.K., tornero GmbH)
Anbieter von B2B Mehrweglösungen (dreiso GmbH, Interzero Circular Solutions Germany GmbH)
Herstellern von Spültechnik (Meiko GmbH, Hobart GmbH)
Betreibern von Spülzentren (Wasto-Pac GmbH, Cup & More Andresen Mehrweglogistik e.K., Interzero Circular Solutions Germany GmbH)
Logistikunternehmen und Lieferanten (ecocarrier AG, Trinkkontor GmbH, Getränke Schneider GmbH, Team Beverage Solution GmbH)
Pfanddienstleistern (Logicycle GmbH, Interzero Circular Solutions Germany GmbH)
Automatenhersteller für Rücknahme automaten (Sielaff Automatenbau Herrenried GmbH & Co.KG)
Digitalen Lösungsanbietern (u.a. TUOMI SA, CMLogistiX, GEDAT Getränkedaten GmbH, Kollex GmbH, Gastivo GmbH, Colysis GmbH, conet Deutschland GmbH)
Kommunale Unternehmen (u.a. HEAG FairCup GmbH, Abfallwirtschaft u. Stadtreinigung Freiburg GmbH)
Beirat aus Verbänden zur Repräsentation der betroffenen Wirtschaftskreise: DEHOGA Bundesverband e.V., Bundesverband des deutschen Getränkefachgroßhandels e.V., Pro Mehrweg e.V., Arbeitskreis Mehrweg GbR und ENFIT.
Alle beteiligten Unternehmen und Verbände verfügen über herausragende Kompetenzen in ihren jeweiligen Geschäftsfeldern und den jeweiligen Funktionen im Mehrwegkreislauf. Weiterhin unterstützt die Initiative die Forschungseinrichtungen Umweltcampus Birkenfeld (Hochschule Trier), Technische Hochschule Mittelhessen, INZIN – Institut für die Zukunft der Industriegesellschaft, SKZ – Kunststoff Zentrum in ihren Förderprojekten mit Expertise, Interviewpartnern und Daten. 2025 wurde aus der Initiative heraus der Kreislaufverbund Mehrweg als neutrale, nicht profitorientierte übergreifende Organisation gegründet.
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Projekte aus dieser Gruppe heraus initiert und durchgeführt:
Projekt 1: Mehrweg Modell Stadt in Mainz und Wiesbaden (2023-2024)
Das DBU-geförderte Projekt Mehrweg Modell Stadt (MMS) fand von Juli 2023 bis Juni 2024 in den Landeshauptstädten Mainz und Wiesbaden statt. Im Rahmen einer Pilotierung wurde die anbieterübergreifende Abwicklung von Mehrweg entwickelt und erprobt. Dabei wurden über 100 Ausgabe- und Rückgabestellen im Handwerk und der Gastronomie etabliert, die Rücklogistik gesammelter Mehrweggegenstände, Reinigung und erneute Bereitstellung von gereinigten Mehrweggegenständen organisiert. Ein anbieterübergreifendes Abrechnungsverfahren und Pfand-Clearing wurde über die unterschiedlichen Mehrwegsysteme und Rücknahmestellen hinweg aufgebaut. Das Treuhändermodell wurde unter Berücksichtigung kartellrechtlicher und wettbewerbsrechtlicher Herausforderungen gestaltet. Insgesamt hat das Projekt das Ziel den Aufbau und die Erprobung eines Regelwerkes für eine anbieterüberfreiende Systematik erreicht und konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
Projekt 2: Aufbau des Kreislaufverbund Mehrweg als Not-for-Profit (2025-heute)
Der Aufbau der Kreislaufverbund Mehrweg GmbH entstand als Folgeprojekt aus den Erkenntnissen des Mehrweg Modell Stadt Projektes. Im Projekt wurden das Regelwerk erweitert, eine Ablauforganisation auf Basis der erprobten Abläufe aus dem MMS Projekt und eine Satzung erarbeitet. Gemeinsam wurde eine Governancestruktur entwickelt, die eine breite Mitbestimmung über die Unternehmensgruppen und Funktionen des Mehrwegkreislaufes ermöglicht. Weiterhin wurde in diesem Rahmen das Mehrwegregister auf der Basis des IT-Systems der Firma Tuomi etabliert.
Projekt 3: Umsetzung im Mehrwegverbund Freiburg (2025- heute)
In Freiburg wurde ein lokaler Mehrwegverbund mit dem Startpunkt B2C Mehrweg im To-Go Bereich auf der Basis der Systematik des Kreislaufverbund Mehrweg konzipiert und über lokal ansässige Unternehmen aufgebaut. Ein Schwerpunkt lag in der Integration eines kommunalen Unternehmens in der Rücklogistik, um in Zukunft den lokalen Mehrwegverbund zu organisieren. Das Projekt hat derzeit 35 teilnehmende Betriebe aus unterschiedlichen Kategorien und ist so gestaltet, dass weitere B2B Mehrwegbehälter integriert werden können.
Der Kreislaufverbund Mehrweg wird derzeit von Herrn Rudolf Behrens geführt, der 30 Jahre Berufserfahrung in der Begleitung solcher Projekte aus seiner Tätigkeit bei der GS1 Germany mitbringt und unter anderem das Competence Center für Mehrwegtransportverpackungen ins Leben gerufen hat. Die Projektkoordination hat in den Städten Dr. Robert Reiche (conet Deutschland GmbH) übernommen. Er hat über 15 Jahre Berufserfahrung im Bereich B2B Mehrweg (Euro Pool System, IFCO Systems, Mauser Packaging). Das Projekt in Wuppertal würde der KVM mit Unterstützung lokaler Unternehmen und der Initiative Reusable To-Go durchführen.
Auf der Basis der bereits verfügbaren Informationen sehen wir eine große Ähnlichkeit mit bisherigen Projektansätzen in Mainz, Wiesbaden und in Freiburg. Aufbauend auf der Erfahrung aus den oben beschriebenen Projekten und in Einklang mit dem übergeordneten Projektziel neue Organisationsformen, Geschäftsmodelle und regionale Kooperationen zu entwickeln und in Pilotvorhaben zu erproben, möchten wir folgendes Vorgehen skizzieren. Eine abgestimmte Leistungsbeschreibung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer für die Beratung und Pilotierung und ein Projektbudget setzen den festgelegten Rahmen für das Projekt und dessen Inhalte.
Der iterative Ansatz erfordert eine regelmäßige Abstimmung, erfahrungsgemäß alle zwei Wochen, phasenweise auch wöchentlich. In diesen Terminen berichten wir über den Fortschritt und entscheiden über Prioritäten und nächste Schritte. Ein gemeinsamer Überblick lässt sich etwa über ein Kanban-Board herstellen. So bleibt der Abstimmungsaufwand gering und die Steuerung transparent.
Phase 1: IST-Analyse des Mehrwegökosystems in Wuppertal (B2B und B2C)
Aufbauend auf dem Wissen und den Vorarbeiten des Konsortiums legen wir den Grundstein für die Pilotierung. Ziel ist ein fundierter Überblick über die vorhandenen Warenströme für B2B-/B2C-Mehrwegströme rund um die Großgastronomie und das bestehende Ökosystem, um Umfang und Rahmen der Pilotierung festzulegen. Die Ergebnisse fassen wir in einer Präsentation zusammen; sie bildet die Basis für die weiteren Phasen.
Phase 2.1: Strategieentwicklung für die Umsetzung (B2B first)
In der 2. Phase wird eine Strategie für die Pilotierung entwickelt, die als Grundlage für die Umsetzung Ziele, Maßnahmen und Messgrößen festlegt. Die Strategie beruht auf den Erkenntnissen aus Vorprojekten und muss auf die Lage und die Rahmenbedingungen in Wuppertal angepasst werden. Das Ziel ist ein strategischer Leitfaden für die Umsetzung.
Phase 2.2: Anpassungen an Mehrwegregister, Regelwerk und Ablauforganisation
Parallel nehmen wir die aus Phase 1 und 2.1 abgeleiteten Anpassungen vor. Diese möglichen Anpassungen ergeben sich aus den Rahmenbedingungen für die Pilotierung aus Phase 1 und 2.1. Die Grundlage für die Pilotierung ist die Registrierung der beteiligten Mehrwegsysteme und Mehrwegartikel, sofern sie nicht bereits im Mehrwegregister angelegt sind oder auf Basis der Systematik des Kreislaufverbundes aufgebaut werden können. Nach der Registrierung sind alle Mehrwegbehälter in den Prozessen des Mehrwegkreislaufes erkennbar. Anschließend müssen die teilnehmenden Unternehmen angelegt werden.
Für die Abwicklung unmittelbar notwendige Scanpunkte für die Mehrwegbehälter müssen im Hinblick auf die Praxis und Situation der Teilnehmer vor Ort diskutiert und umgesetzt werden. In weiteren Schritten nach Beginn der Pilotierung können Anpassungen im Reporting vorgenommen werden, die sich aus den Anforderungen der Messpunkte aus der Strategie ergeben. Nachfolgend können Anpassungen oder Erweiterungen der Schnittstellen des Mehrwegregisters entwickelt werden, die sich aus den Anforderungen der Integration mit Mehrweganbietern ergeben und während der Pilotierung unkritisch ergänzt werden können. Die Anbindung der Smart City App kann über eine REST Schnittstelle bspw. Rückgabeorte aus dem Mehrwegregister empfangen.
Phase 3: Umsetzung in definierten Kreisläufen im Rahmen eines Pilotprojektes
In der dritten Phase wird die Pilotierung umgesetzt. Hierfür wird ein grober Zeitplan abgestimmt auf dessen Basis die Pilotierung absolviert wird. Flexibilität in der Planung ist eine entscheidend, da viele Parameter wie bspw. die Bereitschaft der Unternehmen zur Teilnehme und die Integration von Mehrweg in ihre Abläufe oder die logistischen Prozesse in der Anlaufphase ein wenig mehr Aufmerksamkeit benötigen. Erfahrungsgemäß reicht eine kurze Anfangsphase, um die Pilotierung zu stabilisieren. Der erste Schritt im Aufbau der Pilotierung ist die Etablierung der Koordinierungsstelle, welche für alle Teilnehmer als zentrale Anlaufstelle fungiert.
Phase 4: Monitoring
Regelmäßige Statustermine mit der Auftraggeberseite stellen sicher, dass in der Laufzeit des Projektes alle beteiligten einen aktuellen Informationsstand haben und Herausforderungen schnell erkennt und begegnet werden kann. Risiken werden in einem Risikoregister geführt, bewertet und mit Mitigationsmaßnahmen versehen. Die Projektdokumentation wird kontinuierlich gepflegt und erweitert. Hierfür bietet sich ein geteilter Datenraum an, in dem alle relevanten Dokumente abgelegt werden.
Phase 5 (optional): Übertragung der Koordinierung an das kommunale Konsortium
Im Anschluss an das Projekt kann im erfolgsfalle eine Übertragung der Koordinierungsfunktion an das kommunale Konsortium erfolgen. Nach Erarbeitung des Hub-Konzeptes, können weitere Kommunen integriert werden, die dann in Form eines Konsortiums mit Wuppertal gemeinsam die Weiterentwicklung vorantreiben. Die Details für eine Skalierung sind zu bewerten und in einem Skalierungskonzept festzuhalten.
Der Kreislaufverbund Mehrweg ist seit August 2025 operativ in der Stadt Freiburg vollumfänglich mit unterschiedlichen Dienstleistern und Teilnehmern tätig. Die Umsetzung in Wuppertal ähnelt den Umsetzungsansätzen in Mainz, Wiesbaden, Freiburg und weiteren Städten wie bspw. Kiel.
Die aktuelle Koordinierungsstelle ist mit einem Geschäftsführer und einer Assistenz besetzt. Für weitere Projekte und Ausschreibungen werden durch bereitgestellte Mittel Mitarbeiter auf die Projektdauer beschränkt eingestellt. Da der KVM ausschließlich die Infrastruktur koordiniert, wird ein Großteil der bundesweiten Skalierung über regionale Partnerunternehmen der Initiative vor Ort bewältigt. Auf diese Art können verschiedene Projekte in Städten unterstützt werden. Die Phasen der oben beschriebenen Projektarbeit werden durch Berater der Firma conet Deutschland GmbH, Entwickler der TUOMI SA und eine externe Person für B2B Mehrweg abgebildet. Die Koordinierungsstelle wird vom KVM selbst betrieben. Die Projektleitung liegt beim KVM.
Das Mehrwegregister, das Regelwerk und die Ablauforganisation sind über den MVP Status hinaus entwickelt und erprobt. Eine Einstufung zwischen TLR 7 (Prototyp im Realeinsatz) und TLR 8 (Systemreife) ist realistisch. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Organisation des KVM und der technisch angebundenen Systeme findet auch während der Projektlaufzeit statt. Projektanforderungen und -ergebnisse werden in diese Aktivitäten einbezogen und tragen zur Erhöhung des TLR bei.
Die organisatorische Roadmap während der Projektlaufzeit orientiert sich entlang der oben beschriebenen Phasen. Nach der finalen Klärung des Umfangs, des Scopes der Pilotierung und der Strategie beginnt die Umsetzungsphase, welche den Übergang in den Betrieb darstellt.
Schritt 1: Onboarding Mehrwegsystemanbieter
Das Onboarding und die Befähigung der teilnehmenden Mehrwegsystemanbieter, deren Mehrwegartikel in den Stammdaten und die Serialisierung der Mehrwegartikel ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der einen gewissen Vorlauf benötigt. Je nach Gestaltung der Pilotierung können bereits teilnehmende B2C/B2B Mehrweganbieter oder Mehrwegpoolverwalter für den Aufbau eines neuen Mehrwegpools im B2B Bereich eine Rolle spielen. Mehrwegbehälter Durch die Einbindung der Mehrweganbieter können Kunden angesprochen und zur Teilnahme motiviert werden. Entsprechendes Material adaptiert der Kreislaufverbund Mehrweg auf der Basis existierender Vorlagen aus Mainz/Wiesbaden und Freiburg.
Schritt 2: Onboarding Dienstleister
Das Onboarding und die Befähigung der teilnehmenden Dienstleister im Rahmen des Projektes ist die Grundlage für die Umsetzung der Ablauforganisation und damit die Anbindung an das Mehrwegregister. Der Treuhänder des KVM verhandelt mit den Dienstleistern die Höhe der Vergütung und legt daraufhin den Kreislaufbeitrag fest. Der Kreislaufbeitrag stellt die Gesamtkosten für einen Umlauf eines Mehrwegbehälters dar. In einem Training werden die notwendigen Abläufe eingeübt. Falls notwendig, wird bereits existierende und erprobte Technik für die Registrierung der Seriennummern für den Pilotzeitraum bereitgestellt und in das Training einbezogen.
Schritt 3: Onboarding teilnehmende Betriebsstätten
Wenn die Vorbereitungen im Onboarding abgeschlossen sind, werden die teilnehmenden Betriebsstätten integriert. Auf dieser Basis können bereits existierende Abläufe und notwendige Anpassungen berücksichtigt werden, ohne dass Teilnehmer mit zusätzlichen Änderungen in der Anfangsphase konfrontiert werden. Für das Onboarding der Teilnehmer werden Schulungsmaterialien bereitgestellt. Im Rahmen der Förderung des KVM fallen keine Teilnahmegebühren für die teilnehmenden Betriebsstätten währen des Pilotzeitraums an.
Schritt 4: Anlaufphase der Umsetzung
In einer vierwöchigen Anlaufphase werden die Teilnehmer, Dienstleister und das Spülzentrum begleitet und notwendige Abstimmungen durchgeführt. Im Folgemonat wird weniger aktiv begleitet, damit sich die Betriebe an die Abläufe gewöhnen können.
Schritt 5: Regelbetrieb
Ab hier beginnt der Regelbetrieb und die Koordinierungsstelle nimmt ihre Tätigkeit auf. Bei Fragen und Unstimmigkeiten ist die Koordinierungsstelle telefonisch und per Mail montags bis freitags zu normalen Geschäftszeiten erreichbar. An NRW-Feiertagen ist die Koordinierungsstelle nicht erreichbar.
Die Roadmap im Förderzeitraum beinhaltet Weiterentwicklungen des Mehrwegregisters im Bezug auf die Einbindung von B2B Mehrwegsystemen, die sich aus dem Projekt ergeben können. Zusätzlich könnten durch die Einbindung neuer Dienstleister in der Region Wuppertal auch Notwendigkeiten für Datenimporte ergeben. Technischer 2nd und 3rd Level Support wird über Tuomi SA realisiert.
Der Betrieb des Mehrwegregisters erfolgt in zertifizierten Rechenzentren innerhalb der EU. Die Softwareentwicklung findet in einem ISO-9001-zertifizierten Umfeld statt. Damit werden Anforderungen an Verfügbarkeit, Datensicherheit, Servicequalität und zuverlässigen Betrieb berücksichtigt.
Im Mehrwegregister gibt es verschiedene Rollen mit verschiedenen Zugangsrechten. Im ersten Level haben administrative User Zugriff auf Artikelstammdaten, teilnehmende Unternehmen und personenbezogene Daten. Auch abrechnungsrelevante Dokumente können eingesehen werden, um Problemfälle zu lösen. Diese Daten sind für die tägliche Arbeit der Koordinierungsstelle notwendig.
Im zweiten Level haben User Zugriff auf abrechnungsrelevante Rohdaten und deren Aggregierung, bspw. erzeugte und übertragene Pfandprotokolle, mit dem Ziel eine vollständige Abrechnung vornehmen zu können. Im dritten Level hat der Treuhänder Zugriff auf sämtliche aggregierte Bewegungsdaten und Auswertungen, die notwendig sind, um Kreislaufbeiträge zu berechnen. Diese Restriktionen im Datenzugriff sind notwendig, um wettbewerbssensitive Informationen sowohl der teilnehmenden Unternehmen aber auch der Mehrweganbieter zu schützen. Gerade diese kartell- und wettbewerbsrechtlichen Herausforderungen fordern eine konsequente Datenminimierung nach dem Grundsatz „quantum sartis“ (so wenig wie möglich, soviel wie nötig). Das Datenschutzkonzept kann unter diesem Link eingesehen werden.
Die technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM), die der Umsetzung der Vorgaben des Art. 32 DSGVO dienen, sind im Folgenden beschrieben.
Zutrittskontrolle: Die Systeme befinden sich in einem bewachten Rechenzentrum. Zutritt erhalten nur befugte Administratoren und Geschäftsführer über biometrisch gesicherte Zugänge. Die Administrationsräume sind chip- und alarmgesichert.
Zugangskontrolle: Der Systemzugang erfolgt über Benutzerkennungen, sichere Passwörter, Sperren nach Fehlversuchen sowie teilweise IP-Schutz und Mehrfaktor-Authentifizierung. Produktivsysteme sind nur für autorisierte Administratoren zugänglich.
Zugriffskontrolle: Zugriffe auf personenbezogene Daten sind nicht vorgesehen und nur bei administrativen Aufgaben möglich. Berechtigungen werden dokumentiert, Arbeiten im CMS protokolliert und Rechte beim Ausscheiden sofort entzogen.
Datenträger-, Speicher- und Benutzerkontrolle: Systeme und Leitungen sind abgeschottet. Firewalls, Angriffserkennung, Virenschutz, Monitoring, rollenbasierte Zugriffe, Mehrfaktor-Authentifizierung und Verschlüsselung schützen die Umgebungen. Entwicklungs- und Produktionssysteme sind getrennt.
Weitergabekontrolle: Datenübermittlungen erfolgen nach Vorgaben des Auftraggebers und werden soweit vorgesehen protokolliert. Besuchswünsche und Petitionen werden verschlüsselt übertragen; den Schlüssel für Petitionen besitzt allein der Auftraggeber.
Eingabekontrolle: Personenbezogene Daten werden durch Nutzer über Webformulare eingegeben. Änderungen durch tuomi erfolgen nur auf Weisung und werden mit Auftrag, Umsetzung und verantwortlichen Personen im Ticketsystem dokumentiert.
Transportkontrolle: Übertragungen und Datenträger werden nach dem Stand der Technik verschlüsselt. Zugriff erhalten nur autorisierte Beschäftigte nach dem Need-to-know-Prinzip, die auf Datenschutz und Vertraulichkeit verpflichtet sind.
Wiederherstellbarkeit: Datensicherungs- und Notfallkonzepte sowie Wiederanlaufpläne gewährleisten die Wiederherstellung der Systeme.
Zuverlässigkeit: Interne und externe Monitoring-Systeme überwachen alle wesentlichen Funktionen. Fehler werden automatisch erkannt, gemeldet und entsprechend den vereinbarten Servicezeiten behoben.
Datenintegrität: Regelmäßige Updates, laufende Überwachung und Backups schützen vor Datenverlust und Beschädigung. ECC-RAM, RAID-Systeme und Datenbankprüfungen erkennen oder korrigieren technische Fehler und ermöglichen die Wiederherstellung.
Auftragskontrolle: Personenbezogene Daten werden ausschließlich nach Weisung und auf Grundlage abgestimmter Leistungen, Konzepte oder Leistungsbeschreibungen verarbeitet.
Verfügbarkeitskontrolle: Die Systeme sind redundant ausgelegt und durch Firewalls, unterbrechungsfreie Stromversorgung und weitere Schutzmaßnahmen abgesichert. Daten werden planmäßig gesichert und Wiederherstellungsprozesse regelmäßig erprobt.
Trennungskontrolle: Daten unterschiedlicher Anwendungen werden in getrennten Datenbanken verarbeitet. Test- und Produktionssysteme sind voneinander getrennt; echte Personendaten werden in Tests nur mit Zustimmung des Auftraggebers verwendet.
Eine vollständige Version der TOMs ist auf Anfrage erhältlich.


